Hieronymus Nopp - Nepomuks Tod

Ein Fall zur Betrachtung des menschlichen Lebens durch verschiedene Wissenschaften

 

Als in der chemischen Industrie angestellter Naturwissenschaftler fehlen mir die Anreize, mich in deutscher Prosa zu üben. So übergebe ich diesen teils ungelenken Bericht nur widerstrebend der Öffentlichkeit, dabei dem Drängen von Freunden folgend, die ihn kürzlich bei der Feier unseres zehnjährigen Abiturs hörten. Er handelt von tragischen Ereignissen, die ich als Praktikant in der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe einer deutschen Universitätsklinik miterlebte. Ich wollte damals als famulus meine Vorliebe für ein Medizinstudium während eines Praktikums prüfen, das mir der Oberarzt der Abteilung Dr. M., ein Verwandter, vermittelt hatte, und das mir Fachliteratur verfügbar machte, auch Zugänge eröffnete, die mehr boten als der alltägliche Routinedienst mit seinen unablässigen Personalwechseln, seinen Geschäftsmäßigkeiten und Zeitnöten. Bei dem Klinikerlebnis vor zehn Jahren schien es mir, als blickte ich in einen Abgrund unserer Zivilisation. Für ein Medizinstudium konnte ich mich danach nicht entscheiden.

Die aus der badischen Baar stammende, sechsunddreißig Jahre alte Studienrätin Miriam N. war zur Entbindung in unsere Klinik gekommen, begleitet von ihrem Ehemann, dem zweiundvierzigjährigen Informationstechniker Frank N. aus Chemnitz. Die Eheleute waren seit fünf Jahren glücklich, wie es schien, verheiratet. Der Kinderwunsch freilich, der schon zu Beginn der Ehe bestand, hatte sich nicht erfüllt. Frank N., so stellte sich heraus, litt an einer nicht therapiezugänglichen Fertilitätsstörung. Für die Wunschmutter durchaus qualvolle Versuche, eine Schwangerschaft mittels hormoneller Stimulation, homologer Insemination, auch homologer In-vitro-Fertilisation zu erreichen, waren alle ohne Erfolg geblieben. Schließlich hatte die heterologe Insemination mit dem Samen eines dritten, anonymen Spenders zur ersehnten Schwangerschaft geführt. Mit freudiger Erwartung nahm Frau N. dieses Ergebnis der entbehrungsreichen artifiziellen Reproduktion an. Gründlichere pränatale Untersuchungen vermied sie, weil sie das Beste erhoffte, sich nicht in etwaige Gewissenskonflikte stürzen lassen wollte, auch weil ihr der Bruch mit ihrer katholischen Familientradition durch eine möglicherweise zu erwägenden Abtreibung fern lag.

Nun war sie also an einem der errechneten Geburtstage in die Klinik gekommen, wo die Wehen weiter auf sich warten ließen. Meine Dienstverrichtungen in ihrem Zimmer führten alsbald zu einem vertrauensvollen Verhältnis, das unser gemeinsamer alemannischer Dialekt zusätzlich förderte. Aus Angst vor einer Schnittentbindung kamen ihr die Tränen. Ich tröstete sie mit meinem Laienwissen über die hohe Erfolgsrate der sectio.

An anderen Vormittag kam es zur Schnittentbindung, die als solche erfolgreich verlief. Aber sie brachte ein schwer missgebildetes Kind zur Welt, einen Jungen mit einem kaudalen Dysplasiesyndrom. Die Abteilung war in Aufregung. Oberarzt Dr. M. beglückwünschte in ihrem Zimmer die junge Mutter zu der Geburt, gebot ihr, entspannt zu bleiben und gut zu trinken – ich stand mit dem Tee schon bereit –, dann erklärte er knapp, der durchaus lebensfähige Junge bedürfe wegen einiger körperlicher Unregelmäßigkeiten leider der klinischen Behandlung. Der Kinderchirurg, Prof. C., sei bereits informiert und gern dazu bereit, das Notwendige zu erklären und zu besprechen. Rasch, nicht unfreundlich, wandte er sich ab. Die Mutter erhielt für eine kurze Weile ihr weithin weiß verhülltes Kindchen in den Arm gelegt. Sie küsste die kleinen Händchen und das hübsche Gesicht ihres Sohnes, wobei ihr wieder Tränen in die Augen traten – Tränen des Glücks und tiefer Sorge.

Kurz danach kam Oberarzt Dr. M. zurück an der Seite unseres Chefarztes Prof. Dr. C., eines hochgewachsenen, schlanken Mannes mittleren Alters, in weißen Hosen und weißem Kittel, mit zurückgekämmten blonden Haar und gebräuntem, angespanntem Gesicht. Prof. C. stellte sich ans Ende des Bettes seiner Patientin, legte die Hände übereinander und begann, nach einigen verbindlichen, Mut machenden Worten mit der Erläuterung der niederschmetternden Diagnose „caudales Dysplasiesyndrom“. Das Kind wies eine inoperable Missbildung des Rückenmarks noch in Höhe der Brustwirbelsäule auf mit schlaffer Zurückgebliebenheit (Atrophie) beider Beine und Lähmung der gesamten unteren Körperhälfte. Zudem fehlten Enddarm und Darmausgang, Gebrechen, die unoperiert zum Tode binnen weniger Tage führen mussten. Ferner deutete das Krankheitsbild auf die Gefahr einer Wasserkopfbildung, ohne dass die Art des Hydrocephalus schon bestimmt war; eine Intelligenzminderung brauchte durchaus nicht mit ihm einherzugehen. Eine Verbindung zwischen Mastdarm und Blase ließ weitere Missbildungen an den inneren Organen befürchten.

Die Patientin lag, fahl geworden, in ihrem Bett und vergoss Tränen. Prof. A. nahm ihre Hand und versuchte sie zu trösten, auch unter Hinweis auf die mögliche chirurgische Hilfe, die er bei seinem Kollegen bereits aufgerufen habe. Der Chirurg, Prof. Dr. O., werde sich zu einem Gespräch anbieten und er rate, es anzunehmen. Frank N. setzte sich schweigend an das Bett seiner Frau.

Die Eheleute beschlossen, den Chirurgen zu bitten, und er kam noch am späten Nachmittag mit seinem Oberarzt Dr. F. Er war, schon vorgerückt an Jahren, kräftig von Statur, mit roten Wangen und weißem Haar, ein Mann mit tiefer, gütiger Stimme. Er trug seinen blauen OP-Anzug, zeigte sich wohl informiert und kam ohne Umschweife zur Sache. Der Säugling brauche ohne Verzug als Lebensnotwendigkeit einen Anus praeter naturalis, also einen Kunstafter, eine Kotfistel. Die operative Anlegung eines künstlichen Darmausgangs sei kein leichter Eingriff, aber in aller Regel chirurgisch beherrschbar. Über die Einzelheiten der Operation und ihre Gefahren werde sie der Oberarzt in Wort und Bild aufklären. Der Chef betonte noch einmal die Dringlichkeit und die Unausweichlichkeit des voll indizierten Eingriffs, der erfolgen müsse, wenn das Leben des Kindes gerettet werden solle. Er selbst sei bereit zu operieren und halte sich ärztlich auch dazu für voll verpflichtet. Er brauche die Einwilligung der Eltern und hoffe auf einen positiven Beschluss, der freilich schwer fallen könne angesichts der künftig unvermeidlichen Lasten und Leiden des Kindes und seiner Eltern. Deren beklommen-zurückhaltende erste Reaktion nahm der Professor mit, als er sich verabschiedete. Sein Oberarzt führte die Aufklärung durch und überreichte die Einwilligungsformulare, wobei er auch kurz auf die Möglichkeit einer familiengerichtlichen Maßnahme zu sprechen kam.

Durch die chirurgischen Auskünfte wiederum erschüttert, blieben die unglücklichen Eltern am Abend beisammen. Frank N. äußerte Bedenken gegen die Operation, erklärte indessen, er werde dem Entschluss seiner Frau folgen. Diese bemerkte erschöpft, sie könne sich am Abend nicht mehr entscheiden. Auch ihr noch zu spätem Besuch kommender jüngerer Bruder, Dr. rer. nat. Holger B., und der vorbeischauende Kaplan, Stephan G., der den Krankenhausseelsorger vertrat, hielten sich zurück. Es fügte sich, dass die beiden jungen Männer, der Naturwissenschaftler und der Theologe, nach ihrem Krankenbesuch miteinander ins Gespräch kamen und beschlossen, die Frage nach der Indiziertheit der Operation und der Einwilligung eindringender zu diskutieren, um vielleicht zu einem Ratschluss zu kommen. Zufällig geriet ich, der ich den Kaplan persönlich kannte, hinzu. Wir saßen zu dritt im Klinikrestaurant und dann im Foyer, um uns von unserem Thema immer tiefer packen zu lassen.

Es ging um den Inhalt der elterlichen (und auch ärztlichen) Fürsorge. Traf die Eltern die Pflicht, das voraussichtliche körperlich und seelisch äußerst qualvolle, aktuell bedrohte Leben ihres Neugeborenen erhalten zu lassen? Man stand vor einem Konflikt-, nicht einem Normalfall. Den Konfliktfall regiert das Gewissen – die Erinnerung an den Ethikunterricht kam hoch. Um des Gewissens willen versteht sich der Staat zu einem „System von Toleranzen und partiellen Entpflichtungen“. Es gestattet dem seinem Gewissen folgenden Einzelnen, sich teilweise aus der Allgemeinheit durch Unterlassen auszuschließen. Eine solche partielle Entpflichtung hebt die generelle Gültigkeit der die Gewissensnot begründeten Rechtsnorm nicht auf: Sie bleibt vielmehr in einem als Ausnahmesituation anzuerkennenden Einzelfall unangewendet. Das Gewissen hat also einen Platz in der Gemeinschaftsordnung. Nach der Berufsordnung üben die Ärzte „ihren Beruf nach ihrem Gewissen, den Geboten der ärztlichen Ethik und der Menschlichkeit“ aus. Die Eltern haben die Sorge um das Kindeswohl selbstverständlich gewissenhaft auszuüben.

Wir spürten sogleich das Unzulängliche dieser Formeln für unseren Sorgenfall. Denn das Unterlassen des medizinisch angezeigten Eingriffs, das Nein der Eltern zur Operation aus Gewissensgründen bedeutete das Ende eines Menschenlebens. Nicht von ungefähr nennt die Berufsordnung als erste Aufgabe der Ärzte, „das Leben zu erhalten“. Überschritte eine Entpflichtung im gegebenen Konflikt nicht die Grenze zu jenem unaufgebbaren Feld des Rechtsschutzes im Dienste des Mitmenschen, stellte sie nicht das Grundrecht auf Leben in Frage? Vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund nationalsozialistischen Unrechts an so geheißenem „lebensunwerten Leben“, der mörderischen Euthanasie, gewinnen die Einwände drückendes Gewicht.

Aber wir leben doch, wandte Holger ein, in einer Gesellschaft, die – allerdings juristisch gedeckt und nicht im hellen Licht der Öffentlichkeit – tagtäglich unzählige Menschenleben bei der artifiziellen Reproduktion und in der Gynäkologie auslöschen lässt und zwar nicht durch Unterlassen, sondern durch aktives Tun. In der Fachliteratur geht die Rede von der massenhaften medizinisch-technisierten Tötung jungen menschlichen Lebens: Alltäglich gewordene Schwangerschaftsabbrüche nach dem Straflosigkeit gewährenden Fristen- und Beratungssystems und nach der sozial-medizinischen Indikation, die Pränatal- und die durchaus verlustreiche Präimplantationsdiagnostik sollen Müttern die Lasten abnehmen, die ungewollte oder behinderte und kranke Kinder ihnen aufbürden. Eine schwerwiegende, biologisch signifikante Verschlechterung der körperlichen oder seelischen Verfassung der Schwangeren erlaubt auch eine Spätabtreibung. Seine Schwester, so Holger, hätte sie in ihrer Not wohl durchführen lassen können, obwohl die embryopathische Indikation nicht mehr gilt.

Es gehe um die Leiden und existentiellen Wünsche der Mutter, dahinter trete das Lebensrecht des Ungeborenen wie des Neugeborenen nach dem Mainstream unserer Zeit zurück. Sollte seine Schwester in diesem Sinne ihre Einwilligung in die Operation versagen, dem Schicksal seinen Lauf aus Gewissensgründen also lassen dürfen, wenn sie ihr Mitleiden nicht verkraften könnte? Werde, so fragte er weiter, das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes durch ein Nein der Eltern zur Operation gefährdet mit der Folge, dass das Familiengericht die Einwilligung zu ersetzen hätte, wie das BGB befiehlt? Sollte man nicht der Person, die dem schwerstgeschädigten Kind am nächsten steht, im Konflikt am äußersten Rand des Rechts die gewissenhafte Entscheidung überlassen und sie nicht der Staatsgewalt anheimstellen? Er werde als Bruder seiner zögernden Schwester jedenfalls von der Operation abraten, wenn sie ihn denn fragen sollte.

Lassen wir doch die Ärzte die ihnen auferlegte Pflicht erfüllen – im Vertrauen auf die Güte des Allmächtigen, warf unser Theologe ein. Sogleich fiel ihm Holger nicht ohne Heftigkeit in die Parade: Die mit diesen Worten angesprochene Theodizee-Debatte führe hier nicht weiter, die Frage nämlich, ob ein sowohl allmächtiger als auch allgütiger Gott die Welt nicht ohne ihre augenfälligen Übel hätte erschaffen können oder gar müssen? Wie zu erklären sei, dass er auch Unschuldige furchtbar leiden lasse? Selbst Christen erkennten, wie wenig sich Gott definieren oder gar durchschauen lasse. Die Antwort Gottes an Ijob, so lehre doch Papst Benedikt XVI., erkläre ja nichts, sondern weise nur unseren Wahn in die Schranken, über alles urteilen und abschließend sprechen zu können. Sie erinnere uns an unsere Grenzen. Sie ermahne uns, dem Geheimnis Gottes in seiner Unbegreiflichkeit zu trauen. Ja durchaus, meinte Kaplan Stephan, und es bleibe uns damit auch die Hoffnung auf Heilung, Ausgleich und Gerechtigkeit im Jenseits. Was wäre unser Leben ohne diese letzte, große Hoffnung?

Ob die Grenzen des Lebensschutzes und der elterlichen Fürsorge nicht am besten durch Juristen zu bestimmen seien? Die Kunst der Juristen bestehe doch im Unterscheiden, im rationalen Erhellen der Normen wie der Sachverhalte und ihrer Grenzen. Indessen gebe es, fuhr ich fort, zu ein und derselben Frage oft verschiedene, mehr oder weniger überzeugende Meinungen, was mir auch eine Recherche im Internet zu unserer Thematik gezeigt habe. Die Schwierigkeiten der Abgrenzung offenbaren etwa die von Juristen und Ärzten gemeinsam erarbeiteten, wiederholt revidierten „Einbecker Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Medizinrecht zu den Grenzen ärztlicher Behandlungspflicht bei schwerstgeschädigten Neugeborenen“. Nach diesen Ratschlägen können Grenzsituationen dazu führen – Zitat –, „dass dem Bemühen um Leidensvermeidung oder –minderung im wohlverstandenen Interesse des Patienten ein höherer Stellenwert eingeräumt werden muss als dem Bemühen um Lebenserhaltung und Lebensverlängerung“. Es gebe Fälle, „in denen der Arzt nicht den ganzen Umfang der medizinischen Behandlungsmöglichkeiten ausschöpfen muss“, etwa wenn „dem Neugeborenen nur ein Leben mit äußerst schweren Schädigungen“ ermöglicht würde, „für die keine Besserungschancen bestehen“. In solchen Fällen eröffne sich für den Arzt „ein Beurteilungsrahmen“.

Am Ende der Disputation fanden wir nicht zur Einmütigkeit. Holger war gegen die Operation, Stephan dafür und ich blieb unentschlossen.

Am nächsten Vormittag erschien der Chirurg erneut bei der unglücklichen Mutter, um wiederholt mit ihr über das Schicksal des schwerstgeschädigten Kindes zu sprechen und um ihre Einwilligung in die lebensnotwendige und zeitlich drängende Operation zu bitten. Er betonte nocheinmal, dass er den Eingriff für ärztlich indiziert halte und sich selbst verpflichtet sehe, ihn durchzuführen. Er habe auch mit dem Familienrichter den Sachverhalt besprochen und von ihm mitgeteilt erhalten, eine ausbleibende elterliche Einwilligung lasse sich hier ersetzen. Weder ihr Mann noch sie selbst, so erwiderte schluchzend die Mutter, könne die Einwilligung erteilen. Das war der Entschluss nach einer durchwachten Nacht. Der Chirurg versicherte sie seines Respekts und deutete noch an, es gebe auch Bedenken der Anästhesisten.

Der fachliterarisch einschlägig ausgewiesene Anästhesist Prof. A. erschien nach Voranmeldung mit seinem Oberarzt Prof. Q. bei der verstörten Mutter. Er verstehe die Bedenken der Eltern und teile sie. Er sei ärztlich selbst verantwortlich und nicht an die Entscheidung seines chirurgischen Kollegen gebunden. Zu den ärztlichen Pflichten gehöre es auch, wie die Berufsordnung festlege, „Leiden zu lindern“. Die Operation aber vermehre die Leiden des Neugeborenen in der Zukunft ins Unermessliche. Sein Gewissen erlaube es ihm nicht, einen Eingriff zu fördern, der gewiss ein Übermaß an zerrüttendem Unglück für Kind und Eltern bringen werde. Der Oberarzt pflichtete seinem Chef mit ernstem Gesicht bei: Die Operation eröffne dem Schwerstkranken leider Gottes kaum Lebenschancen. Der Wert eines geretteten oder hingehaltenem gebrechlichen und missgestaltetem Leben lasse sich gewiss nicht in einer maßgebenden Skala veranschlagen; doch hier sei der Befund äußerst schlecht und extrem belastend.

Über den Konsultationen verstrich die Zeit und die Operation unterblieb. Das Kind wurde palliativ behandelt. Auf Wunsch von Miriam N. und wiederum mit Zustimmung des konfessionslosen Frank N. spendete der Kaplan dem todgeweihten Knaben eilig in der Klinikkapelle das Sakrament der Taufe, eine allem Tun und Verdienst zuvorkommende Gnade, die Aufnahme in die ewige Gemeinschaft der Kirche. Ein wenig verlegen übernahm ich die erbotene Patenschaft. Den Namen wählte die Mutter nach einer tragischen Kinderfigur eines großen deutschen Nachkriegsromans aus, den sie als Lehrerin behandelt hatte. Nepomuk starb wenig später.

Nach einiger Zeit war zu erfahren, die von der Verwaltung angerufene Staatsanwaltschaft habe ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen die Anästhesisten Prof. A. und Prof. Q. angestrengt, der Rechtsstaat also ernsthaft Anteil an dem Fall genommen. Aber nach Recherche und externer Begutachtung sei der Ermittlungsprozess eingestellt worden.

Bei einer zufälligen Wiederbegegnung im folgenden Jahr sagte mir Miriam N. offen heraus, sie sei noch immer nicht mit ihrem Schicksal versöhnt, vielmehr voller Unruhe. Sie befinde sich in psychotherapeutischer Behandlung. Auch ihre Ehe sei zerbrochen.

In mir selbst, dem unentschiedenen und in kritischen Lagen verhaltenen Beobachter, erdrückten das Erlebte, der erste Einblick in die moderne Medizin mit ihren Verhängnissen, die Vorliebe für das zunächst favorisierte Studienfach.

 

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