Empört euch! – Eine Kritik am Jurastudium aus der Sicht eines Studenten (Teil 2)

 

 

Ein Beitrag von Nadim Rababah

 

C. Universitäre Ausbildung

I. Universitäre Veranstaltungen (Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften)

1. Bewerberauswahl und Betreuungssituation

(1) Ich möchte mich nicht gleich zu Beginn von dem entfernen, was als Veränderung der juristischen Ausbildung gegenwärtig denkbar erscheint. Allerdings stellt sich sehr grundsätzlich die Frage, ob man die Anzahl der derzeit jährlich ausgebildeten Juristen wirklich braucht. Die Massen von Absolventen wird kein Arbeitsmarkt je aufnehmen können. Die Examinanden verschlechtern damit die Arbeitsbedingungen der Alteingesessenen immer weiter. Wer das, mit Blick auf die Freiheit der Berufswahl, großartig findet, kann das tun. Für mich ist kaum jemand in der Lage, die Entscheidung für das Jurastudium anfangs rational zu treffen. Vielmehr beginnt ein Großteil der Studenten ein Studium der Rechtswissenschaft aus Verlegenheit oder wegen der prestigeträchtigen Jobs und setzt angesichts der anfänglich kaum bestehenden Hindernisse, sowie der höchst zufälligen Benotung das Studium fort. Hier stellten sich viele die Frage nach dem Studium also nicht ernsthaft. Während des Studiums fallen einige wenige endgültig durch. Das Studium abbrechen, weil das Studium keinen Spaß macht, wollen dagegen nur wenige. Soweit gehen die Ansprüche heutzutage wohl nicht mehr. Irgendwann zwingt man sich zum Examen: Einfach, um nicht vier oder fünf Jahre umsonst studiert zu haben. Ein Abbruch des Studiums zu diesem Zeitpunkt erscheint den meisten zu spät. Ich behaupte, dass so das übliche juristische Studium aussieht, und zwar nicht nur für schlechtere Absolventen. Ich habe ein gutes Examen (11,90 Punkte aus Staats- und Universitätsteil) gemacht und schätze zwar nicht das erworbene Wissen, wohl aber die durch das Studium erworbenen Fähigkeiten. Noch einmal würde ich Jura aber dennoch nicht studieren.

(2) Zur Ermittlung einer tatsächlichen Motivation, ist der Abiturschnitt nicht aussagekräftig. Auch wenn es die derzeitige Praxis ist, die Studienplatzvergabe von der Abiturnote abhängig zu machen, täten die Universitäten gut daran, Eingangstests einzuführen. Diese sollten einerseits auch die Motivation berücksichtigen, und andererseits die Bewertung der Fähigkeiten der Bewerber nicht nur am Abiturschnitt festmachen.
Es ist bereits hinreichend diskutiert worden, wie – auch im Hinblick auf die Verbesserung der späteren Berufsaussichten - eine Begrenzung der Anzahl der Jurastudenten möglich ist: Durch die Einführung eines NC, die Erhöhung des Kurrikularnormwertes oder die Streichung ganzer Fakultäten, oder auch durch rigidere Zwischenprüfungen 1. Alles ist besser als junge Menschen nach fünf Jahren des Studiums mit leeren Händen oder miserablen Zukunftsaussichten dastehen zu lassen. Dass Studenten nicht in der Arbeitslosenstatistik auftauchen und auch Absolventen später Arbeit finden (für die viele vollkommen überqualifiziert sind), nützt außer der Politik niemandem.

2. (Fehlende) Darstellung der juristischen Tätigkeit

Es ist darauf hinzuweisen, dass meine Kritik an der mangelnden Darstellung der juristischen Tätigkeit und der späteren Perspektiven ausgebildeter Juristen, nicht zu pauschalisieren ist, da es sich außerhalb meiner Möglichkeiten befindet sämtliche Dozenten zu beurteilen. Mithin werde ich mich auf, aus meiner Sich positive Ansätze beschränken.
Gute Dozenten sollten zu Studienbeginn, neben der von ihnen erwarteten Stoffvermittlung, eine kritische Darstellung sowohl des Studiums, wie auch der späteren Berufspraxis leisten, inklusive der Jobaussichten. Die Studenten könnten dann einen ehrlichen Vergleich mit ihrer Studienmotivation anstellen. Regelmäßig werden insoweit genannt (1) die Vielfalt der Berufsmöglichkeiten, (2) das hohe Prestige der juristischen Professionen und (3) die Erwartung hoher materieller Vorteile 2. Für einen Großteil der Studenten wird die praktische Berufswahlfreiheit aber gering sein (es bleibt regelmäßig die Anwaltstätigkeit), ebenso wie das zu erwartende Gehalt. Darauf ist hinzuweisen. Dass einzelne Dozenten dies tun, ist kein Grund, es im Übrigen dem Zufall zu überlassen. Ich würde mir wünschen, dass dabei erwähnt wird, dass die juristische Arbeit auch ihre größten Vertreter keinesfalls ausgefüllt hat und immer wieder in tiefe Zweifel gestürzt hat. Eine gute Sammlung entsprechender Aussagen (häufig frustrierter) Juristen findet sich bei http://www.lto.de/recht/studium-referendariat/s/zitate-literaten-jurastudium/. Zudem verdient die Tatsache Beachtung, dass im Studium im Wesentlichen das Nachvollziehen fremder Wertungen, nämlich der des Gesetzgebers, im Vordergrund steht und das eigenständige Denken und Urteilen nur in diesem Rahmen gefordert wird 3 verdient Beachtung. Der Zeitaufwand und die persönlichen Folgen für den Studenten sollten dabei vom Dozenten ebenfalls erwähnt werden (dazu werde ich erst unten bei der Examensvorbereitung kommen, weil diese Folgen erst dort für den Großteil der Studenten zwangsläufig eintreten). All dies erfolgt regelmäßig nicht. Es wird meist mit dem einem schlechten Examensergebnis Angst gemacht, die hohe Durchfallquote präsentiert, und das Horrorszenario des taxifahrenden Juristen an die Wand gemalt. Außerdem geben Dozenten gern ihre Vorstellungen von der optimalen Examensvorbereitung zum Besten. Darin ist ja irgendwann jeder Experte und hat auch ein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis.

3. Inhaltliche Vorbereitung

Großes Manko der Vorlesungen ist auch, dass die für Studenten geeignete Literatur (Rolf Schmidt, aber insbesondere die Repetitoriumsunterlagen) nie empfohlen wird. Bei den Repetitoriumsunterlagen bemühen sich sonst so gerühmte Prädikatsjuristen hauptberuflich und didaktisch geschickt um eine vollständige und stetig aktualisierte Darstellung. Mir erschließt sich nicht, warum die Examensnote nur hier nicht gilt, um Qualität zu bewerten. So konsequent sollte man doch sein, wenn man sie sonst zum alleinigen Maßstab für juristische Fähigkeiten erhebt. Die angeblich fehlende Wissenschaftlichkeit ist erfunden. Auch Professoren schreiben weitgehend von anderen ab. Das kann bei einer „normativen Wissenschaft“, in der ein Konsens hergestellt werden muss, auch nicht anders sein. Außerdem muss auch bei bei Lehrbüchern einem einzigen Autor vertraut werden, der sein akademisches Pflichtprogramm absolviert, vertrauen. Nämlich, dass dieser Sachmaterie (1) vollständig darstellt, (2) geschickt erklärt und (3) ständig aktualisiert. Spätestens in der Examensvorbereitung fällt die Wahl nicht schwer. Bei den AGs kommt erschwerend hinzu, dass die wissenschaftlichen Mitarbeiter hier ständig wechseln. Kontinuität kann so nicht entstehen und ein dauerhafter Einsatz der didaktisch geschickten Mitarbeiter nicht erfolgen. Das entspricht zwar dem Interesse der Forschung, widerspricht aber fundamental dem Interesse der Studenten.

4. Organisatorische Vorbereitung

 

(1) In den Vorlesungen wird ein effektives Lernsystem nur selten vermittelt. Wer Studenten einfach nur empfiehlt, viel zu tun, lässt sie ihre Zeit verschwenden.
(2) Zu den Verbesserungsvorschlägen: Ändern lässt sich die Vielzahl der inhaltlichen Überschneidungen und Unabgestimmtheiten. Jeder Dozent sollte sich außerdem mit Lerntechniken beschäftigen. Das gilt sowohl für die Erarbeitung der Vorlesung als auch für die Hinweise zur selbständigen Arbeit. Feste Wiederholungstakte, dauerhaftes Festhalten des Gelernten und bildhaftes Lernen in Normen und Hierarchien (Haft) mithilfe eines Abkürzungssystems statt passivem Lesen und Zuhören gehören bereits in die Anfängerveranstaltungen. Dies könnte dem Verpuffen der Wirkung der ersten Studienjahre erheblich Entgegenwirken, und ist viel wichtiger, als in der ersten Woche mit dem Wessels/Beulke zu beginnen. Den Studenten muss dabei klar werden, wie sinnlos das Lernen für nur ein Semester ist und wie das Lernen sich letztlich auswirkt. Ihnen muss aber auch klar werden, dass selbst bei effektivem Lernen sich besonders hoher zeitlicher Aufwand auszahlt, so dass die bei weitem günstigste Zeit hierfür die Examensvorbereitung bleibt. Wenige Monate, die hier zusätzlich gelernt werden, können ganze Semester kompensieren, in denen das Arbeitspensum reduziert oder auch durchschnittlich blieb (damit meine ich etwa 40 Stunden pro Woche).

5. Prüfung und Bewertung an der Universität

Die Prüfungs- und Bewertungspraxis ähnelt der im Examen. Insbesondere bei den universitären Hausarbeiten im Rahmen der großen Übungen halte ich eine Einbeziehung in die Examensnote für sinnvoll. So würde die übermäßige Gewichtung des Examens vermieden. Die Hausarbeiten zur großen Übung wären dann im Studienplan so spät wie möglich vorzusehen.

6. Einsatz der Dozenten für die Studenten

Professoren sollten sich für ihre Studenten einsetzen. Das bedeutet unter anderem, dass sie nicht jedes Ergebnis für optimal aus dem Gesetz ableitbar erklären und das oben kritisierte Systemverständnis predigen. Sie sollten vielmehr Initiativen anstoßen, die die Situation für den studentischen Rechtsanwender verbessern. Entsprechende Vorschläge könnten unterbreitet werden, ohne dass die Initiative dazu vom Gesetzgeber ausgehen muss. Diesen interessieren die Rechtsanwender (und vor allem die Studenten) wenig. Darauf dies zu tun, scheinen aber auch diejenigen nicht erpicht zu sein, denen die Studenten am Herzen liegen sollten. Dies überrascht insbesondere deshalb, weil es in anderen Gesetzen mit vergleichbarem Regelungsgegenstand durchaus gelingt, übersichtliche Regelungen zu entwickeln und deren Struktur durch Einfügen von Überschriften transparent zu machen, was dem Rechtsanwender zugleich die Argumentation erleichtert (Bsp: Common European Sales Law, Draft Common Frame of Reference).
Wer sich beispielsweise den Allgemeinen Teil des BGB ansieht, weiß, dass dort teilweise gravierende Lücken bestehen. Der Begriff der Willenserklärung, die Abgabe, der Zugang: viele Begriffe muss der Student auswendig lernen. Die Differenzierung bei der Auslegung zwischen Willenserklärung und Vertrag nach §§ 133, 157 ist längst überholt und durch die Differnzierung nach empfangsbedürftigen und nicht empfangsbedürftigen Erklärungen ersetzt worden. Warum ändert man dies nicht? § 130 regelt nur partiell den Zugang (für verkörperte Willenserklärungen unter Abwesenden, daraus folgen drei Analogien für die verbleibenden Fälle), die Zugangsvereitelung fehlt. Was das BGB mit „in Ansehung“ (§ 1138) und „ist als verwirkt anzusehen“ (vgl. § 339) meint (ganz zu schweigen von Vorschriften wie § 164 II), könnte in klarem Deutsch in einem Satz formuliert werden. Wer einmal die jeweils hundert Vorschriften zu Mobiliarpfandrecht und Hypothek liest, weiß, welche Mühe es bereitet, ein Regelungssystem zu durchblicken, das durch keine Überschrift unterbrochen wird und häufig in schwer verständlichem Deutsch formuliert ist. Bekommt man dann noch den hilfreichen Hinweis des Gesetzgebers zwei Paragraphen später, dass die vorangegangenen hundert Vorschriften entsprechend anzuwenden seien (Grundschuld, § 1192), sieht man den Handlungsbedarf noch klarer. Auf diese Weise werden auch hunderte, längst ausdiskutierte Streitigkeiten immer weiter mitgeschleppt.

II. Ausbildungsliteratur

1. Lehr- und Lernbücher

a) status quo

aa) Formalia: juristische Lehrbücher sind, um es diplomatisch zu formulieren, meist verbesserungswürdig. In den letzten Jahren hat es einige erhebliche Verbesserungen gegeben hat. Trotzdem differenzieren typischerweise viele Bücher nicht zwischen Grundlagen und Spezialwissen (Ausnahme bspw. Vieweg/Werner Sachenrecht), haben ein scheußliches Schriftbild (insbesondere juristische Kurzlehrbücher, Grundrisse, Schwerpunkte) und pflegen eine weitschweifige Sprache, die von dem Darstellungsgegenstand keineswegs erzwungen wird4 und die häufig genug nur armselige Gedanken kaschiert. Es gilt auch hier der Satz Schopenhauers: „Der erste Grundsatz eines guten Stils ist, dass man etwas zu sagen habe. Allein damit kommt man weit“. Die Neigung, Wertungsfragen mit objektiven häufig phrasenartigen Formulierungen zu erläutern, als würden wir von Tatsachen sprechen, wirkt verstörend (Theorie statt Meinung, "zu überzeugen vermag" statt "ich meine"). Wer etwas zu sagen hat, kann sich auch kurz fassen, nur macht er sich damit angreifbar. In einem Deutschaufsatz würde mancher Verfasser juristischer Ausbildungsliteratur wegen ungeschickter Ausdrucksweise durchfallen. Dem Gegenstand der Darstellung wird Aufmerksamkeit geschenkt, die Bedürfnisse des Lesers werden hingegen ignoriert, insbesondere in älteren Darstellungen.

bb) Adressat: Die Bücher sind auch nicht an die jeweiligen Lesergruppen gerichtet. Typischerweise findet sich im Vorwort, das ansonsten ausschließlich an Kollegen gerichtet zu sein scheint, der stereotype Hinweis „dieses Buch soll dem Studienanfänger das Erlernen des Stoffes erleichtern. Adressat ist aber auch der Vorgerückte, es kann zudem zur schnellen Repetition im Examen verwendet werden und auch dem Referendar zur Auffrischung dienen.“ Es dient also jedem und damit niemandem besonders. Der Fußnotenapparat und die Ausführlichkeit an Stellen ohne Klausurrelevanz verleiten zu der Annahme, dass der eigentliche Adressat die Wissenschaft ist. Es sind Nachschlagewerke, keine Bücher zum Lernen.

cc) Inhaltliche Kritik: Ein weiterer gravierender Nachteil sind die abstrakten Ausführungen ohne Beispiele, die insbesondere in der älteren Literatur noch häufig anzutreffen sind. Würde man die Autoren dazu zwingen für ihre Ansichten Beispiele anzuführen, würde sich ein Großteil der Streitigkeiten von selbst erledigen (einen traurigen Höhepunkt findet das Ganze beispielsweise beim Begriff des Schadensersatzes statt der Leistung). Eine gute Darstellung sucht man in der Literatur vergeblich, stattdessen drischt jeder Autor seine Phrasen. Im Grunde reden die meisten aneinander vorbei. Vollständige und ausdifferenzierte Darstellungen finden sich nur im Skript von Alpmann/Schmidt, SchR AT I, bei § 281 und bei Lorenz FS Leenen (2012), S. 147 ff.

dd) Es gibt Ausnahmen: Von all der Kritik hebt sich in Schriftbild, Sprache und didaktischem Ansatz sehr positiv die Reihe juristische Lernbücher5 ab. Teilweise gilt dies auch für neuere Erscheinungen aus den Verlagen Mohr/Siebeck6, Nomos7, Beck 8 und Vahlen 9. Die Bücher haben dann regelmäßig ein angenehmes Schriftbild, Fallbeispiele, Wiederholungsschemata und Fragen. Verständlich schreibende Autoren trifft man teilweise ebenfalls an.

b) Verbesserungsvorschläge:

aa) Die Differenzierung zwischen einer möglichst groben Inhaltsübersicht und einem möglichst ausführlichen Inhaltsverzeichnis ist üblich. Letzteres sollte aber alle relevanten Differenzierungen und Begriffspaare enthalten und auch schon besondere Probleme andeuten (bspw. Gliederungspunkt 1 – insbesondere Problem der […]). Da jedes Begriffspaar potentiell eine in der Klausur weichenstellende Differenzierung beinhalten kann, ist hierauf besonderer Wert zu legen. Ich muss die Studenten hier allerdings auch warnen. Die Einprägung aller Begriffspaare führt zu erhöhtem Differenzierungsvermögen und verbessert die selbständige Argumentation erheblich: der Student kommt mitunter deshalb in Versuchung solche Differenzierungen auch dort anzunehmen, wo sie nicht diskutiert werden. Er läuft also Gefahr, von der Lösungsskizze der Klausur abzukommen, bzw. eigenständige Gedanken zu entwickeln. Dieses Risiko scheint mir aber vernachlässigbar, wenn man es den erworbenen Fähigkeiten gegenüberstellt.

bb) Da Jura in erster Linie Denken in Begriffspaaren und -hierarchien ist, finde ich auch eine (alternativ oder kumulativ zur Aufnahme in die Gliederung) Gegenüberstellung von Begriffspaaren des jeweiligen Rechtsgebiets am Ende eines Buches ohne tiefgehende Erläuterungen sinnvoll (bspw. einleitende und bestimmende Schriftsätze, formelle und materielle Rechtskraft für ZPO). Bei Einführungslehrbüchern wiederum könnten die gängigsten Begriffspaare anhand derer differenziert wird nach den Auslegungsmethoden oder am Buchende dargestellt werden (objektiv-subjektiv, originär-derivativ, abstrakt-konkret etc). Dies sollte ergänzt werden durch graphische Abbildungen in den jeweiligen Lektionen zu den Begriffshierarchien, die auch die maßgeblichen Unterscheidungskriterien für die begrifflichen Differenzierungen enthalten sollten. Wichtig ist hierbei auch, ein Abbildungsverzeichnis ins Buch aufzunehmen, um einen Überblick zu ermöglichen.

cc) Zum Sprachstil habe ich mich bereits oben ausgelassen. Hier bleibt mir noch anzumerken, dass Kommunikation mit dem Leser nicht schädlich ist. Das Gegenteil ist der Fall: Der Autor kann besser Bedürfnisse des studentischen Lesers erkennen, und einfacher ihm besonders wichtig erscheinende Aspekte erörtern. Das kann auch durch bewusste Ansprache und Wiederholungen geschehen10. Dass fehlende Kommunikation kein Zeichen für fehlende Wissenschaftlichkeit, sondern vielmehr für literarische Unfähigkeit ist, kann man wunderbar in der Stilkunst von Ludwig Reiners nachlesen. Der sachlichen Anforderung, wirklich alle maßgeblichen Kommentare und Werke in ein Buch einzuarbeiten, scheinen mir die meisten Autoren zu genügen. An Sorgfalt in diesem Punkte scheitert es selten.

dd) Bei der heutigen Stoffmasse hat aus meiner Sicht auch jeder der Autoren sich bei Anlass zur hohen oder geringen Bedeutung eines Abschnitts für Klausuren zu äußern und nach Schwierigkeitsgrad zu differenzieren (Anfänger, Fortgeschrittener, Examenskandidat), auch wenn ihn das für einen kurzen Moment aus seiner abstrakten Begriffswelt reißt und ihn zwingt sich Anwendungsfälle in der (wohl als langweilig empfundenen) Realität auszudenken. Das kostet Zeit, hilft aber enorm. Falllösungen ohne Gliederungspunkte sind zu vermeiden. Längere Falllösungen können mit Hinweis auf der Verlagsseite eingestellt werden. Mindermeinungen sind kenntlich zu machen. Am Ende des Buches sollte eine umfassende Problemübersicht stehen11. Auch ein Verzeichnis mit Kommentierungshinweisen ist sinnvoll12. Der Fettdruck wichtiger Wörter ermöglicht eine enorme Zeitersparnis beim Überfliegen. Bei Schemata darf durchaus erläutert werden, was dagegen spricht Punkt 2 vor Punkt 1 zu prüfen. Ein Schemata-Verzeichnis ist zur Verbesserung der Übersicht anzulegen. Hilfreich sind auch Verlinkungen von Audio- oder Videodateien aus einer Vorlesung des Autors, wenn er sich für didaktisch befähigt hält, oder die Mitlieferung auf DVDs.

ee) Schließlich ein Wort zu Benutzungshinweisen. Das gängig empfohlene Vorgehen, im Buch zitierte Paragraphen sofort nachzuschlagen und zu lesen, scheint mir ineffektiv13. Der dadurch entstehende Zeitverlust beim Lesen ist enorm. Der Anfänger verlässt sich ohnehin zunächst auf das, was der Autor schreibt. Die Erläuterungen zu Norminhalt und Normzweck im Buch müssen zunächst ausreichen. Weit effektiver scheint es mir, an den Folgetagen nach der Lektüre des Buches ganze Vormittage für die Lektüre des Gesetzestextes zu reservieren und unter Zuhilfenahme der aus dem Buch angefertigten Aufzeichnungen alle (nicht nur die im Buch zitierten) Normen des jeweiligen Abschnitts durchzugehen. Es sollte ein separates Gesetz nur für Markierungen angeschafft werden. Dort am Rand der einzelnen Vorschriften können der Normzweck, Anmerkungen, Probleme, Gegenbegriffe und Verweise aufgeführt werden. Insofern ist ein eigenes oder vorgeschlagenes Abkürzungssystem hilfreich. In der Norm selbst sollten mit unterschiedlichen Unterstreichungen oder mit Einkreisen Schlüsselbegriffe markiert und Trennungslinien für unterschiedliche Sachmaterien innerhalb einer Norm eingefügt werden.

ff) All diese Vorschläge sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit der häufigen Behandlung von Fällen in der Ausbildungsliteratur, diese für die Prüfungsämter uninteressant werden. Diese weichen dann auf andere (regelmäßig aktuellere) Probleme aus14. Wer also keinen neuen oder zumindest grundlegend besseren Beitrag als sein Vorgänger leisten kann, sollte ganz auf das Verfassen einer neuen Fallsammlung verzichten. Im Übrigen: auch ein zwanzigstes Lehrbuch zum BGB AT braucht kein Mensch. Eigentlich müsste schon das Schamgefühl des Akademikers ihn daran hindern noch einmal dasselbe zu schreiben, wie 19 Autoren vor ihm. Dass dies nicht so ist, wirft ein bezeichnendes Bild auf die Juristerei.

2. Ausbildungszeitschriften

a) Die sogenannten Ausbildungszeitschriften halte ich für das Studium für weitgehend wertlos. Es finden sich zwar immer wieder gute Aufsätze, doch gute Erläuterungen gibt es auch in einigen Lernbüchern und jedenfalls auch in Skripten. Dass diese Publikationen, die wie auch die Lehrbücher regelmäßig kaum einen eigenen Gedanken enthalten, der Indikator für produktive Forschungsarbeit sein sollen und vom Staat gefördert werden, ist aberwitzig. Erst in der Examensvorbereitung eignen sich die meisten Zeitschriften, um Klausuren zu bearbeiten. Aber sie ersetzen keinen Klausurenkurs und das Durchsehen von Fallsammlungen. Sucht man nach aktueller Rechtsprechung, ist man ohnehin bei RÜ (Rechtssprechungsübersicht von Alpmann/Schmidt) und Life&Law besser aufgehoben.

b) Verbesserungsvorschläge: Wichtig scheint mir in diesem Zusammenhang, dass sich die Anreize ändern. Solange die Masse der Publikationen gefördert wird, ist jedenfalls dem Studenten nicht gedient. Es sollten vielmehr längere Aufsätze gefördert werden, die tatsächliche Beiträge zur Forschung leisten können und nicht 6-8-Seiten-Aufsätze, die immer wieder Themen aufwärmen, zu denen zwei oder drei Jahre niemand mehr etwas geschrieben hat. Im Übrigen erhöhen Fettdruck und zwei Zeilen mit geringerer Breite (JuS) die Lesbarkeit. Teilweise fehlen bei den Zeitschriften Inhaltsverzeichnisse für die Jahresausgabe (Jura) und fettgedruckte Passagen völlig (Jura). Hier besteht erheblicher Änderungsbedarf. Generell rate ich dazu, anstelle der Lektüre von Ausbildungszeitschriften die Kursunterlagen, insbesondere die Fälle eines zweiten (oder auch dritten Repetitoriums) selbständig zu bearbeiten, wenn man am Ende der Examensvorbereitung noch Zeit übrig hat. Man wiederholt so den gesamten Stoff anhand von Fällen und sieht, kurz vor dem Examen, ob man zur Anwendung in der Lage ist.

D. Die Anforderungen des Examens

I. Fachliche Anforderungen

1. Inhaltliche Anforderungen – die Prüfungsordnungen für den staatlichen Teil der ersten juristischen Prüfung

a) status quo: Die Prüfungsordnungen in den einzelnen Bundesländern differenzieren regelmäßig zwischen vertieften Anforderungen und den erforderlichen Kenntnissen in Grundzügen. Diese Differenzierung ist schwammig. Ein Erkenntnisgewinn ist für den Studenten damit nicht verbunden.
aa) Vertieft bedeutet regelmäßig, dass hier jedes Einzelproblem abgefragt werden kann und man gut daran tut, diese auch sämtlich zu lernen. Andernfalls muss sich der Bearbeiter darauf verlassen, dass er (1) das Problem erkennt, (2) die eigenen Lösungsansätze ausreichen, um die Klausur entsprechend der Lösungsskizze fortzusetzen, (3) die maßgeblichen Argumente erschlossen und gewichtet werden können und (4) er die Entscheidung im Sinne der Klausurtaktik „richtig“ trifft. Das sind ziemlich viele Risikofaktoren, von denen der Fortgang der Klausur abhängt. Im Übrigen ist ein Weg, der von der herrschenden Meinung abweicht, immer deutlich begründungsbedürftiger als ihr Befolgen. Ein Problem für den, der sie nicht kennt. Ich halte die Behauptung, dass hier das sogenannte „Systemverständnis“ ausreicht, für eine Schutzbehauptung. Niemand kann es genauer definieren und jeder ist überzeugt, es erworben zu haben. Jede gute Klausurbearbeitung beginnt im Übrigen damit, dass man sich (insbesondere bekannte) Probleme aus dem Sachverhalt erschließt. Es geht also im Wesentlichen darum den Sachverhalt mit bekannten Fällen, und aus solchen bekannten abstrakten Rechtsfragen, zu assoziieren. Oft genug geschieht dies in Form eines Brainstormings.
Jedenfalls bei sehr abstrakten Fragestellungen aus dem BGB AT, Schuldrecht AT oder im allgemeinen Verwaltungsrecht und Strafrecht kann sich niemand mit Verstand darauf verlassen. Die Tatsache, dass unter auswendig gelernten Meinungsstreitigkeiten wie bspw. zum Scheingeheißerwerb oder zum gutgläubigen Zweiterwerb der Vormerkung steht „hier argumentieren Sie sehr schön“, ist Selbstbetrug. Viele Streitstände entwickeln sich über Jahrzehnte. Wenn sich auch diejenigen, die gute Examina geschrieben haben, klarmachen würden, dass es sich bei dem abgeprüften Wissen im Wesentlichen um auswendig Gelerntes handelt, wäre die Diskussion ein Stück weiter. Die Argumente dagegen, die tatsächlich mit Hilfe der Auslegungsmethoden selbst erschlossen werden können, sind regelmäßig nicht derart anspruchsvoll, dass sie eine Notendifferenzierung im Übrigen ermöglichen.
bb) Nun muss man sich noch darüber klar werden, was „Grundzüge“ bedeutet. Der Student tut hier nämlich gut daran gerade nicht Grundlagenwissen zu erlernen (wie beispielsweise die Prozessmaximen im Zivilprozessrecht). Er muss vielmehr „Grundzüge“ als häufige, in Klausuren abfragbare Probleme zu verstehen. Der Repetitor wird ihn dann gewissenhaft darüber aufklären, dass Prozessaufrechnung, Widerklage, Versäumnisurteil, Mahnverfahren und die Klagearten in der Zwangsvollstreckung zu lernen sind und man beim Rest mit gutem Gewissen auf Lücke setzten kann. Ich halte diese Art der Vorbereitung, die man den meisten Studenten nahe legen muss, für denkbar schlecht: Wenn eine Vorbereitung für das Referendariat angestrebt wird, sollten Grundzüge das Verständnis fördern und keine (auswendig gelernten) einzelnen Probleme abgefragt werden. Hier führt die anwendungsbezogene Prüfung regelmäßig dazu, dass zu viel Einzelwissen erworben wird, worunter der Überblick (erheblich) leidet. Ein kleiner Teil der Studenten dagegen fühlt sich verpflichtet hier genauso viel Wissen zu erwerben, wie in den Vertiefungsfächern, um kein böses Erwachen in der Klausur zu erleben.
Häufig hat die Einordnung in Grundzüge oder vertiefte Kenntnisse überdies keine Entsprechung in der Klausurrealität. In Niedersachsen wird beispielsweise einstweiliger Rechtschutz im Verwaltungsprozessrecht als in Grundzügen zu erlernende Materie aufgeführt, § 16 III Nr. 4 c) NJAVO. Letzteres spricht der Klausurpraxis Hohn.
cc) Es wird immer wieder behauptet, es sei ausschließlich eine Stärke der juristischen Ausbildung, nicht abstrakt Wissen abzufragen, sondern dies nur im Rahmen von Fallbearbeitungen zu tun. In Wahrheit verschließen wir damit aber auch den Studenten die Möglichkeit, nach einem Fehler neu anzufangen. Wir schließen also von punktueller Unkenntnis oder auch dem Übersehen eines Problems auf generelle juristische Inkompetenz. Formuliert man das so, offenbart sich ein tiefes Gerechtigkeitsdefizit.
dd) Die Stellung von tatsächlich einfachen Aufgaben, die dem Bearbeiter hinreichend Gelegenheit zur Erörterung von Rechtsproblemen bieten sollen, sind – wie jedermann mit Berührung zur Prüfungspraxis weiß – inzwischen zu einer hohlen Phrase verkommen. Eine Entsprechung in der Realität sucht man vergebens.

b) Verbesserungsvorschläge: Eine inhaltliche Beschränkung der Prüfungsordnung ist dringend erforderlich. Es fällt mir schwer, hier einzelne Gebiete zu nennen, da jedes eine gewisse Berechtigung hat. Mir fallen bei den privatrechtlichen Nebengebieten das Arbeitsrecht und die teilweise vertieften Kenntnisse im Personengesellschaftsrecht, Zivilprozessrecht und Erbrecht ein. Mir scheint jedenfalls, dass nicht (weiter) verlangt werden sollte, Stoff klausurmäßig zu lösen, mit dem kaum ein Jurist in seiner Praxis Berührung haben wird. Das betrifft insbesondere im Öffentlichen Recht die Klagearten im Verfassungsprozessrecht und Europarecht (mit Ausnahme des Vorabentscheidungsverfahrens). Die Anzahl der Juristen, die mit Organstreitigkeiten usw. befasst werden, dürfte verschwindend gering sein. Hier sollte abstraktes Wissen genügen. Dasselbe – nur in Grundzügen - gilt bezüglich der zivilrechtlichen Nebenfächer.

2. Prüfungsmodus

a) Erhaltenswertes

Bei aller Kritik am heutigen Ausbildungssystem erscheint mir Folgendes erhaltenswert: Deutsche Juristen sind in der Lage und müssen in der Lage bleiben, weiter in abstrakten Kategorien und Begriffspaaren zu denken 15 und dieses Denken auch zu übertragen: also möglichst selbständig Texte entsprechend gliedern und ordnen zu können 16. Außerdem muss juristisches Wissen in den Kernbereichen stets in der Anwendung abgeprüft werden. Alles andere wäre ein Leugnen der praktischen Erfordernisse. Auch muss dies zwangsläufig auf Kosten einer gerechteren, möglichst umfassenden Prüfung des Stoffes gehen. Die Frage ist nur wie gering der abgeprüfte Umfang noch sein darf, um daraus generell die erforderlichen Fähigkeiten oder die Unfähigkeit des Studenten abzuleiten. Auch der Umgang mit viel Literatur und das selektive Lesen wollen gelernt sein und setzen jedenfalls im Studium die Anfertigung von Hausarbeiten voraus. Da dies sogar die eigentlich für die Praxis relevantere Fähigkeit ist, leuchtet mir nicht ein, warum sie im Examen keine Rolle mehr spielen soll.

b) Kritik am status quo und Verbesserungsvorschläge

aa) Bei der Ausgestaltung der Prüfungsstruktur müssen folgende Anforderungen berücksichtigt werden:
(1) Die Aneignung eines bestimmten Wissens, das ohne Hilfsmittel abrufbar sein muss, ist erforderlich. Das kann nur in Form von Klausuren abgeprüft werden. Dies ist erforderlich, auch wenn diese Prüfung ohne Hilfsmittel und unter Zeitdruck keine Entsprechung in der Praxis hat17. Da Klausuren aber nur stichpunktartig prüfen, gewährleistet dies allein kein gerechtes Ergebnis. Die Zahl der Klausuren heute, dient nur noch der Gewichtung der drei Kernfächer. Der Anspruch, auch nur halbwegs repräsentativ abzufragen oder auch nur Zufallsergebnisse aufzufangen, ist nicht erkennbar. Die Anzahl der Klausuren ist daher radikal zu erhöhen. 12 erscheinen mir sinnvoll und auch nicht realitätsfern18: 6 für Zivilrecht und Nebengebiete, 4 für das Öffentliche Recht, 2 im Strafrecht. Im Rahmen der Nebengebiete sollten Frageklausuren gestellt werden, statt gutachterliche Darstellungen zu verlangen. Dann müssen nicht noch mehr Schemata gelernt werden. Auch würde so eine unverhältnismäßige Erhöhung des Korrekturaufwands, trotz der Zunahme der zu korrigierenden Klausuren vermieden.
(2) Die Anforderungen der späteren Berufspraxis und zwar der schriftlichen wie der mündlichen sind zu berücksichtigen. Hierfür scheinen mir einerseits die Hausarbeiten und andererseits die Aktenvorträge geeignet. Um das Studium nicht noch weiter zu überfrachten, darf sich die Gesamtzahl der Hausarbeiten dadurch nicht erhöhen. Vielmehr könnte man die großen Hausarbeiten zeitlich nach hinten verlagern und in das Examen mit einbeziehen. Die Aktenvorträge wären ein Ersatz für die mündliche Prüfung, die vollständig zu streichen ist (zu deren Schwächen gleich).
(3) Theoretische Fähigkeiten können durch Anfertigen einer Seminararbeit und deren Präsentation bewiesen werden (heute geschieht dies teilweise durch die Schwerpunktprüfungen). So könnten sich staatlicher und universitärer Prüfungsteil sinnvoll ergänzen.
(4) Juristische Allgemeinbildung muss abgeprüft werden. Dies sollte nicht mehr punktuell in der mündlichen Prüfung erfolgen. Ich halte diese Prüfung in ihrer Konzeption für ungerecht. Eine Orientierung an den Klausurnoten erfolgt wenn nicht direkt, so doch zumindest hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades der Fragen. Als Kandidat mit schlechten Klausurergebnissen muss man darauf hoffen in eine stärkere Gruppe von Kandidaten zu kommen, um schwierige Themen und Fragen bearbeiten zu können. Die mündliche Prüfung als gleichberechtigten Prüfungsteil neben den Klausuren anzusehen (12 Min. Redezeit pro Prüfling – Zeit für Fragestellungen, im Vergleich zu 6 Stunden Schreibzeit!) widerspricht jeder Vernunft. Streitet man die Vornotenorientierung hinsichtlich der Fragen ab, ist die punktuelle Prüfung jedenfalls in höchstem Maße willkürlich. Häufig wird nach FAZ-Artikeln gefragt. Über die juristischen Fähigkeiten des Prüflings aus eineinhalb Jahren Vorbereitung gibt dies sehr beschränkt Auskunft. Überdies sind manche Prüfer protokollfest, andere nicht. Im ersten Fall lassen sich die gestellten Fragen oft nur beantworten, wenn man auf die Frage vorbereitet ist. Das privilegiert den Protokoll-Erwerber.
Wenn schon juristische Allgemeinbildung und Auseinandersetzung mit aktuellem Geschehen geprüft und prozessuale Fragen beantwortet werden sollen, täte man gut daran, weitere zwei Klausuren mit entsprechenden Fragen zu stellen. Das könnte meiner Einschätzung nach auch im Multiple-Choice-Verfahren erfolgen. Will man methodisches Vorgehen prüfen, könnte ausnahmsweise Text in Form einer Gliederung mit Stichpunkten oder auch Fließtext gefordert werden. Auf diese Weise ließe sich der entstehende zusätzliche Korrekturaufwand begrenzen.

bb) Verbesserungen im Prüfungsablauf

Bezüglich des Prüfungsablaufs fallen insbesondere die mancherorts bestehenden Kommentierungsverbote ins Auge. Diese Verbote ersparen allenfalls einen Kontrollaufwand und suggerieren alles sei, auch unter noch so großem Zeitdruck, aus dem Gesetz ableitbar. Sie sind abzuschaffen. Dass inzwischen bundesweit die Nomos-Texte nicht mehr zugelassen sind, obwohl nur sie ausführliche Inhaltsverzeichnisse für die Gesetze enthalten und so einen besseren Überblick ermöglichen, ist bedauerlich.
Auch, dass das Abschichten einzelner Fächer lediglich in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zulässig ist, halte ich für unsinnig, geradezu für böswillig. Eine Prüfungsordnung hat nicht die Aufgabe effektive Vorbereitung um jeden Preis zu verhindern und Prüflinge in Panik zu versetzen. Wer selbst Klausuren abgeschichtet hat, weiß, wie schnell sich das Wissen wieder auffrischen lässt. Die Anforderung an die Prüfungsämter dann in den Klausuren nicht vertieft Querverbindungen zu anderen Rechtsgebieten zu prüfen, die für einige Prüflinge erst im folgenden Klausuren-Durchgang anstehen, dürfte sie nicht überfordern. Bei Grundzügen ist dies kein Problem. Doch wird dem Großteil der Examenskandidaten bekannt sein, dass es bspw. für das Verständnis der Vermögensdelikte unabdingbar ist, auch umfassende Kenntnis des Sachenrechts zu besitzen.


1Becker, in Strempel, S. 55ff.; mit dem fehlenden NC scheint Deutschland in Europa allein zu stehen, Kilian, S. 165.

2Bargel, Multrus, Ramm, S. 28ff.

3vgl. Radbruch, in: Strempel, S. 268 und die Formel Hecks vom denkenden Gehorsam des Richters.

4vgl. als Gegenbeispiele Medicus, BR; Volk, Grundkurs StPO.

5bspw. Detterbeck, VerwR AT etc.

6bspw. Leipold, BGB-AT.

7bspw. Adolphsen, ZPO.

8bspw. Volk, Grundkurs StPO.

9Schwarz/Wandt, Gesetzliche Schuldverhältnisse.

10vgl. Plate, Das gesamte examensrelevante Zivilrecht und die Repetitoren-Skripten.

11vgl. Peine, Beulke, Klausurenkurse zu Verwaltungsrecht und Strafrecht.

12bspw. wie bei Volk, Grundkurs StPO.

13 siehe Medicus, BR Vorwort.

14 Böckenförde, in: Strempel, S. 66.

15 vgl. Alpmann, in: Strempel, S. 35.

16Wahl, in: Strempel, S. 379.

17Ipsen, Nds. VBl. 1995, 238.

18so schonRadbruch, in: Strempel, S. 270.

 

 

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