Phi Delta Phi - Paul Kirchhof Inn Heidelberg e.V.

 

 

Ein Beitrag von Jan-Willem Prügel, Mitbegründer u. Vorstandsmitglied des Paul Kirchhof Inns Heidelberg

 

Dieser Beitrag soll die kürzlich gegründete studentische Initiative des örtlichen Chapters von Phi Delta Phi (ΦΔΦ), einer aus den USA stammenden internationalen Juristenvereinigung, vorstellen und möglichen Interessenten durch die Beschreibung der Tätigkeiten und Ziele des Vereins ein besseres Verständnis von ihm vermitteln.

Die Gesellschaft

Phi Delta Phi ist die weltweit älteste Juristenvereinigung, die heute noch besteht und neben Praktikern auch Studierenden offensteht. Sie wurde im Jahre 1869 an der Universität Michigan gegründet und umfasst Standorte, auch Inns genannt, an vielen US-amerikanischen Hochschulen, darunter einigen Ivy League Law Schools, Stanford, Berkeley sowie vereinzelten kanadischen Universitäten. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts expandierte das Netzwerk schließlich auch nach Lateinamerika und Europa.

Der Gründungszweck war damals der Wunsch, eine professionelle Gesellschaft speziell für engagierte Juristen zu schaffen, die es sich zur Aufgabe machen sollte, die Berufsethik in Ausbildung und Praxis zu fördern. Ein vergleichbares Forum gab es bis dato nicht und kann auch heute allenfalls mittelbar durch die in Europa erst langsam Fuß fassenden Legal Clinics identifiziert werden.

Generationen von einflussreichen und erfolgreichen nordamerikanischen Juristen waren zu Studienzeiten aktive Mitglieder, darunter fünf US-Präsidenten (u.a. Teddy Roosevelt, Franklin D. Roosevelt, Gerald Ford), dreizehn Richter des Obersten Gerichtshofs/Supreme Courts (u.a. der letzte Vorsitzende William H. Rehnquist sowie aktuell Antonin Scalia und Sandra Day O’Connor) sowie weitere hochrangige Beamte wie John Ashcroft (US-Generalbundesanwalt der G.W. Bush-Regierung), Robert „Bobby“ Kennedy (JFKs jüngerer Bruder, US-Senator und Justizminister) und Kenneth Starr, der die Untersuchungskommission zu Präsident Bill Clintons Whitewater-Affäre leitete.

Bekannte deutsche Ehrenmitglieder sind bzw. waren u.a. Claus Roxin, Richard v. Weizäcker, Roman Herzog, Jörg Eisele, Herta Däubler-Gmelin, Heiner Geißler, Hans-Jürgen Papier, Klaus Kinkel, Theo Waigel, Rolf Stürner, Karsten Schmidt und Rudolf Mellinghoff.

Abgrenzung

Ursprünglich als „Fraternity“ gegründet, hat sich die Organisation 2012 zur Abgrenzung von den in den Vereinigten Staaten verbreiteten Greek Letter Societies in eine „Legal Honor Society“ umbenannt. Zwar verwendet auch Phi Delta Phi die typischen griechischen Buchstaben, die als Akronym für das Motto „Freunde von Gerechtigkeit und Weisheit“ stehen. Dennoch liegt der inhaltliche Fokus nicht auf einem sozialen (Lebens-)Bund wie in den typischen „Frats“ oder den deutschen Verbindungen. Vielmehr soll sie einen weltweiten Rahmen für die fortlaufende Persönlichkeitsentwicklung von Juristen schaffen und ihnen immer wieder verdeutlichen, welche große Verantwortung ihr Beruf mit sich bringt und wie wichtig eine kritische Auseinandersetzung mit den Grundwerten von Recht, Gesetz und Moral sind, um dem eigenen Amte täglich aufs Neue gerecht zu werden.

Das Paul Kirchhof Inn Heidelberg

Jedes Inn hat eine herausragende juristische Persönlichkeit als Namenspaten, der als Vorbild und Mentor für die Mitglieder dient und meist einen gewissen Bezug zur örtlichen Universität aufweisen kann. Für die Gründungsmitglieder erwies es sich als großes Glück und eine außerordentliche Ehre, dass sich niemand Geringeres als Professor Dr. Dres. h.c. Paul Kirchhof, Verfassungsrichter a.D. bereit erklärte, uns durch Namen und Zeit zu unterstützen.

Das 2014 gegründete Inn ist das fünfte in Deutschland und besteht momentan aus etwa einem Dutzend Mitgliedern. Unsere Tätigkeitsschwerpunkte bestehen aus der Organisation von Weiterbildungsevents, zuletzt in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), davor mit der US-Großkanzlei Skadden. Gleichzeitig kann dem Ideal Phi Delta Phis nicht nur passiv Rechnung getragen werden. Auch aktiv muss der mündige Jurist den Umgang mit dem Recht als Werkzeug für den gesellschaftlichen Fortschritt stetig einüben. Deshalb haben wir begonnen, ein Schulprojekt auszuarbeiten, um dem Nachwuchs einerseits das Studium der Rechtswissenschaft näherzubringen, damit sie es ggf. für sich entdecken können. Andererseits möchten wir im Rahmen von Informationsveranstaltungen zu verschiedenen schülertypischen Rechtsproblemen Rat erteilen. Auch öffentliche Vortragsreihen sind Teil unseres Wirkungsspektrums. In Kürze etwa findet eine Diskussionsrunde zu den Verbrechen der RAF statt, im Rahmen derer auch ein ehemaliger BGH-Richter von seinen Erfahrungen referieren wird. Finanziell unterstützt werden wir bei unseren Events von der zahlenmäßig größten Kanzlei Deutschlands, CMS Hasche Sigle, sowie auch von der äußerst renommierten Kanzlei Gleiss Lutz.

Mitarbeit

Jede Kommilitonin und jeder Kommilitone, die/der sich für die Weiterentwicklung ihres/seines Rechtsverständnisses und juristischen wie persönlichen Horizonts interessiert, ist herzlich willkommen, ein aktives Mitglied zu werden. Es ist durchaus von Vorteil, wenn sich diese Denkweise durch bisheriges Engagement in rechtlichem Kontext belegen lässt, etwa durch Mitwirkung bei einer Legal Clinic, einem Law Journal oder einem der großen Moot Courts. Häufig passen solche Studierende am besten zur Idee des Vereins.

Interessenten werden in Absprache mit unserem Vorstand zu einem Treffen eingeladen und können sich dort näher mit dem Verein vertraut machen. Wenn es für alle Beteiligten passt, beginnt eine einsemestrige Anwärterphase, bei der ein älteres Mitglied als Mentor dem Interessenten beratend zur Seite steht. Die offizielle Initiierung erfolgt dann in regelmäßigen Abständen in einem der deutschen Inns und in festlicher Atmosphäre, meist mit prominenten Gastrednern wie kürzlich etwa einem EuGH-Richter bei der Jahresfeier des Münchner Inns.

Wir freuen uns auf Eure Anfragen.

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  • Gast - Gerald of Wales

    Leipzig, Germany

    Werter Herr Kollege Prügel,
    liebe Kolleginnen und Kollegen,

    vorab eine Klarstellung an die Redaktion des StudZR-Blog, die so fröhlich auf diese Seite verlinkt: Um einen "Erfahrungsbericht" handelt es sich genz sicher nicht, sondern um Werbung für eine fragwürdige Vereinigung.

    Spontan erinnert das Signet von FiDeFi sicher nur zufällig an kriminelle Motorradgangs (die übrigens auch in 'chapters' organisiert sind), oder an die gestörte Rockertruppe, die kürzlich auf Werbetour für Herrn Putin unterwegs war.
    Ohne in geschmacklose Analogien zu verfallen: Zur Schädelsymbolik und zum ‚Honor‘ fiele mir eine historische Parallele ein, die ihr ganz sicher nicht hören wollt ("Meine Ehre heißt Treue").

    Ihr freut euch auf Anfragen? Ich hätte einige:

    Welches Ideal des "mündigen Juristen“ wollt ihr vermitteln mit Totenkopf, Knochenkreuz und Schwertern? Dass die Waage der Justitia hier mit Dreifaltigkeits-Kitsch verunstaltet ist, macht es doch nicht besser. Mit Tradition möge mir hier niemand kommen.

    An welche Funktion von "Recht als Werkzeug für den gesellschaftlichen Fortschritt" denkt ihr, die ihr ausgerechnet mit Boston Consulting fördern wollt? Und welche Art Fortschritt ist gemeint? Der, der Menschen obdachlos macht, weil er partout Großbanken retten will?
    Auch Haschisch und Siegel sind bisher nicht als "gesellschaftliche" Fortschrittsagentur bekannt geworden (wenn ich nichts verpasst habe), sind aber - für "FiDiFi" offenbar wichtig - immerhin die "größte Kanzlei Deutschlands" - na und, zum Teufel?

    Woher kommt die zwanghafte Fixierung auf Weltkonzerne und „Law-Firms“, wenn es doch vorgeblich um „Grundwerte, Gesetz und Moral“ geht? Sind diese Werte bei denen, die das ganz große Geld betreuen, besonders gut aufgehoben?

    Wie wäre es stattdessen mit der Förderung von Toleranz, Demokratie, Humanität, Rechtsstaatlichkeit? Damit lässt sich allerdings keine Karriere machen, nicht bei H & S, Gleisbau & Lutz oder PWC, vermutlich auch nicht bei H&M und C&A.
    Bei PhiDeltaPhi geht es ganz offensichtlich nicht um die Förderung von Recht und "Berufsethik", sondern um ein elitäres Bündlerwesen, wie man zwanglos bereits am beschriebenen Eingangsprozedere erkennt.

    Ihr macht eine Veranstaltung zu den "RAF-Verbrechen" mit einem BGH-Richter (siehe auch das Programm des Tübinger ‚Chapter‘)? Eine angestaubte Thematik, die bestenfalls den wohligen Schauer des Juristen gegenüber der radikalen Negierung des Verfassungsstaates kitzelt.

    Mein Vorschlag: Macht eine Veranstaltung zum NSU und der Frage, warum sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts der „Verfassungs“-Schutz unserer Republik zehn Jahre lang von einigen durchgeknallten Nazis zum Affen machen ließ.

    Oder es findet sich ein/e Verwaltungsrechtler/in, der/die euch und uns allen erklärt, warum bei den Sozialgerichten seit zehn Jahren eine rechtshistorisch beispiellose Flut von Prozessen anbrandet (nämlich zum SGB II); und was es für den Zustand des Rechtsstaates bedeutet, dass ein ganzer Verwaltungszweig, der aus der vorgeblichen „Vereinfachung“ des Sozialrechts entstanden ist, dauerhaft außerstande ist, einen im Ganzen rechtmäßigen Vollzug des Gesetzes sicherzustellen.

    Spannende Themen, zu denen man von Herrn Papier, Herrn Kirchhof und den meisten dieser Spielklasse wenig gehört hat. Aber allemal so spannend wie ein Abend mit der verblichenen Rote Armee Fraktion.

    Mit Grüßen,
    Cambrensis, M. A.
    - Jurist / Historiker -

    P.S.: Einige Antworten auf mögliche spontane Fragen: Ja, ich habe Verfassungsrecht bei Paul Kirchhof gehört; ja, ich habe auch anglo-amerikanisches Recht gehört; und nein, ich bin kein Freund von Gerhard Schröder, ganz im Gegenteil.

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  • Sehr geehrter Kommentator,

    zunächst vielen Dank für Ihre Anmerkungen und das Vorbringen der grundsätzlich sehr gut nachvollziehbaren Zweifel. Andere LeserInnen haben sicherlich ähnliche Gedanken gehabt.

    Bitte erlauben Sie mir, im Einzelnen auf Ihre Aussagen einzugehen.

    In der Tat haben Erfahrungsberichte meist einen werbenden Charakter, wenn sie von einem der Initiatoren der betreffenden Organisation verfasst werden. Diese Stellung meinerseits wird auch durch die kurze Autorenbeschreibung deutlich. Da ich das Projekt losgestoßen und mit einigen Kommilitonen vorangetrieben habe, kann ich mich einer gewissen Begeisterung nicht erwehren, die ich vorliegend auch nicht verdecken wollte. Die Blog-Redaktion würde sich sicherlich auch offen gegenüber weiteren Erfahrungsberichten zeigen, die ggf. andere Ansichten vertreten.

    Die Erläuterung zur Bedeutung des Wappens finden Sie auf der Website des Weltverbandes. Es stammt noch aus dem späten 19. Jahrhundert und orientiert sich mithin nicht an Insignien anderer weniger nachahmungswürdiger Vereinigungen jüngeren Datums.

    Zum einen beruhen unsere Kooperationen mit Kanzleien und anderen Firmen auf einem für beide Seiten vorteilhaften Austauschverhältnis. Während wir unsere laufenden Kosten durch großzügiges Sponsoring decken können, erhalten unsere Gegenüber Zugang zu vielversprechendem Nachwuchs. Auch dienen solche Workshops der Verbesserung einzelner Fähigkeiten, die jedem Teilnehmer in Studium und Beruf weiterhelfen können. Das ist ein wichtiger Anreiz, mit dem wir um neue Mitglieder mit Potential werben, die oft auf solche Events Wert legen.
    Das heißt keineswegs, dass wir uns von unserem Hauptaufgabenfeld, der eigenen ethischen Entwicklung als werdende Juristen, abkehren. Wir sind stetig bemüht, neue Wirkungsbereiche aufzutun und Möglichkeiten zu nutzen. Sicherlich hat der eine oder andere dabei primär die eigenen Interessen im Sinn. Das darf aber nicht dazu führen, der gesamten Organisation den Stempel des Opportunismus aufzudrücken. Die von Ihnen genannten Problemstellungen klingen durchaus interessant und werden von uns demnächst auch mal geprüft werden.

    Sollten Sie weitere Anregungen oder Kritik haben, können Sie sich auch jederzeit gerne direkt an uns wenden.

    Mit den allerbesten Grüßen verbleibt

    Ihr Jan-Willem Prügel

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