Raus aus der Bib und hinein ins Gefecht für den eigenen Mandanten – Vorstellung von Pro Bono Heidelberg e.V.

 

Ein Beitrag von Annika Bergelt und Jan-Willem Prügel

 

Alle Theorie ist grau. Während man als studiosus iurisdictionis im Laufe der Semester viel Wissen aufnimmt und mit genügend Fleiß auch sein logisches Denkvermögen schärft, so vermisst man doch stets eines: Die Arbeit am realen Fall, die einen auf die spätere Beschäftigung vorbereit. Denn die allermeisten Jurastudenten werden statistisch gesehen einmal als Rechtsanwalt tätig sein.

In Deutschland wird der praktische Ausbildungsteil durch eine mehrmonatige Praktikumsphase sowie das Referendariat abgedeckt. Doch während Praktika oft nur sehr spezielle, oberflächliche und indirekte Aufgaben für kurze Zeit vermitteln, beginnt das Referendariat erst einige Jahre nach Eintritt in die Universität.

Um etwas früher in das kontradiktorische Gefecht einzusteigen, das den Anwaltsberuf ausmacht und gleichzeitig Menschen durch die eigene Arbeit tatsächlich zu helfen, wurde Ende letzten Jahres eine studentische Rechtsberatung nach amerikanischem Vorbild ins Leben gerufen: Pro Bono Heidelberg e.V.

Als erste Legal Clinic in Deutschland beraten wir Mandanten sowohl im Zivil- als auch im Asylrecht. Derzeit arbeiten rund 40 Studierende bei uns mit und sammeln erste Erfahrungen mit realen Mandaten, unterstützen nebenbei die Heidelberger Zivilgesellschaft und geben etwas von der kostenlosen Bildung zurück. Gleichzeitig erarbeiten sie sich einen heutzutage unschätzbaren Wettbewerbsvorteil: Anwaltiches Gespür. Darunter fällt neben den bekannten Soft Skills wie Zeitmanagement, Rhetorik und Teamfähigkeit vor allem auch eine besonders greifbare Anwendung der gelernten Rechtsmaterie. Denn wer einmal der freundlichen, herzkranken Rentnerin, Frau Schmidt aus der Weststadt, geholfen hat, ihren unsympathischen Vermieter endlich zum Entfernen des Schimmelbefalls im Schlafzimmer zu bewegen, der hat das BGB vermutlich mit mehr Inbrunst gewälzt, als wenn er prüft, ob der M einen Anspruch auf Mietminderung haben könnte.

Gemäß § 6 Abs. 1 des 2008 novellierten Rechtsdienstleistungsgesetzes können auch Nichtvolljuristen Rechtsberatung erteilen, sofern diese durch qualifizierte Juristen überwacht werden. Aus diesem Grund haben wir einen stetig wachsenden Juristischen Beirat aus derzeit einem guten Dutzend Rechtsanwälten aus der Region zusammengestellt, der uns kompetent und zuverlässig mit seiner Expertise zur Seite steht. Ebenso arbeiten wir eng mit karitativen Organisationen aus der näheren Umgebung zusammen. Auch die Juristische Fakultät sowie das Zentrum der anwaltsorientierten Juristenausbildung unterstützt unseren Verein. So wird es demnächst möglich sein, einen Schlüsselqualifikationsschein bei uns zu absolvieren.

Darüber hinaus fördert die Arbeit in der Praxisgruppe Migrationsrecht insbesondere auch soziale Kompetenzen. In Teams von vier bis sechs Studenten bereiten wir Flüchtlinge in einer offenen Sprechstunde auf ihre Anhörung vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vor. Diese ist der wichtigste Teil des Asylverfahrens und entscheidet darüber, wer in Deutschland Asyl erhalten kann. Durch unsere Beratung haben wir nicht nur die Gelegenheit, uns mit der momentan politisch hoch brisanten europäischen Flüchtlings- und Asylpolitik auseinanderzusetzen, sondern auch unsere interkulturellen Kompetenzen zu schulen. Der Dialog mit Menschen aus völlig anderen Kulturkreisen schafft dabei nicht nur ein tiefgreifenderes Verständnis für deren Situation, sondern fördert auch unsere Fremdsprachenkompetenzen. Da das Asylrecht an der Uni Heidelberg momentan nicht gelehrt wird, bieten wir in Kooperation mit Anwälten - die Experten auf diesem Gebiet sind - regelmäßig Schulungen zum Ausländerrecht an, um uns die nötigen fachlichen Kenntnisse anzueignen. Dadurch, dass unser Angebot von unseren Klienten und Partnern so positiv aufgenommen wurde, sind wir in unserem Ziel bestätigt, dass wir„eine wertvolle Gesellschaft wiederfinden müssen, in der man für die anderen und sich selbst leben kann“, wie Jean-Paul Sartre einst sagte.

Wir suchen stets fähigen Nachwuchs und freuen uns über Bewerbungen. Der Termin für einen offenen Info-Stammtisch wird auf unserer Website demnächst bekannt gegeben. Zudem wird es für die Praxisgruppe Zivilrecht einen Info-Abend am kommenden Freitag, den 20. Juni 2014, um 19:00 Uhr im Lautenschläger Hörsaal geben. Hierzu laden wir Euch herzlich ein. Etwaige Ortswechsel werden rechtzeitig auf unserer Facebookpräsenz kommuniziert. Bitte schickt uns kurz eine unverbindliche und formlose Anmeldung an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , damit wir den Andrang besser abschätzen können.

Auch bei Rechtsproblemen helfen wir Euch gerne, sofern wir sie denn gesetzlich annehmen dürfen.

Mehr Informationen zu unserer Arbeit und Kontaktmöglichkeiten findet Ihr im Internet unter www.probono-heidelberg.de sowie bei Facebook.

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