Bericht über ein Praktikum bei Linklaters LLP im Bereich M&A

 

 

I. Erwartung

Meine Erwartung an das Praktikum war, einen Einblick in die Arbeit einer international agierenden Großkanzlei zu erlangen. Außerdem wollte ich die Stadt Düsseldorf und die Region „Rhein-Ruhr“ kennenlernen. Überdies wollte ich herausfinden, was sich hinter den schon fast mystischen zwei Buchstaben „M & A“ in der Praxis verbirgt.

II. Warum Linklaters LLP

Grundsätzlich ist der Kreis der in Deutschland ansässigen international agierenden Großkanzleien nicht gerade klein. Die Auswahl fällt deshalb nicht leicht. Insbesondere auf den ersten Blick erscheinen die Unterschiede zwischen den Kanzleien nur marginal zu sein. Als viertgrößte Kanzlei der Welt verfügt Linklaters allerdings über die Möglichkeit, transnationale Unternehmensübernahmen zu begleiten, was ich als gute Voraussetzung für ein Praktikum um Bereich M & A ansah. Letztlich habe ich mich aber deshalb für Linklaters entschieden, weil es die einzige Kanzlei war, die ein strukturiertes Praktikantenprogramm in einem Zeitraum angeboten hat, der für mich passend war.

III. Bewerbungsprozess

Die Bewerbungsunterlagen können per Email eingesendet werden. Sofern die Bewerbung auf Interesse stößt, schließt sich ein etwa halbstündiges Telefoninterview an. Kurze Zeit später erhält man eine Zu- oder Absage. Insgesamt ist der Bewerbungsprozess zügig und unbürokratisch.

IV. Ablauf

Das Praktikum beginnt mit einem strukturierten Einführungstag. Kaum hatte man die Kanzleiräumlichkeiten betreten, wurde man zu einem Raum geführt, in dem sich bereits einige Praktikanten aufhielten. Nach und nach erhöhte sich deren Zahl auf neun, die aus ganz Deutschland kamen. Nachdem wir uns kennengelernt hatten, erwarteten uns Erfahrungsberichte von Linklaters-Mitarbeitern aus unterschiedlichen Karrierestufen. Danach wurde jeder Praktikant einem Team zugeordnet. Mein Team gehörte zum Bereich Corporate M & A, also Fusionen und Übernahmen von Unternehmen. Die meisten Teams bestehen aus einem Partner und drei bis vier Anwälten. Einer der jüngeren Anwälte fungiert dann für den Praktikanten als Mentor. Von meinem Mentor sollte ich in den nächsten Wochen meine Aufgaben empfangen. Diese waren ausgesprochen vielfältig. Hauptsächlich ging es um Kapitalgesellschaftsrecht. Aber auch Fragen aus dem BGB AT mussten beantwortet werden. Meistens bekommt man als Praktikant eine Rechtsfrage gestellt, die man dann in Form eines Vermerks so aufbereiten muss, dass der Anwalt die Information kurz und knapp verarbeiten kann. Es kann aber auch sein, dass man Verträge übersetzt, Korrektur liest, bei Telefonkonferenzen dabei ist oder über aktuelle Gesetzesvorhaben informiert.

Weiterhin gab es nahezu jeden Tag eine Veranstaltung für die Praktikanten, in der uns im Laufe des Praktikums nach und nach jeder Fachbereich der Kanzlei vorgestellt wurde. Auch Bereiche wie Marketing oder Business Development blieben dabei nicht außen vor. Abgerundet wurde das Praktikum durch ein Freizeitprogramm. So haben wir zum Beispiel gemeinsam Pizza belegt, an einem Charity-Lauf teilgenommen oder mit den Anwälten Fußball gespielt.

V. Tipps

Von Anfang an sollte man die Aufgaben mit höchster Genauigkeit und akribisch erledigen. Die Qualität der Arbeit sollte so gut sein, dass man selbst das Arbeitsergebnis an den Mandanten rausschicken würde, wenn es darauf ankäme. Man sollte niemals unfertige Produkte abgeben. Qualität geht über Geschwindigkeit. Einzige Ausnahme ist, wenn extreme Eile geboten ist. Über organisatorische Fragen sollte man sprechen. Wenn man eine Aufgabe nicht verstanden hat, sollte man nachfragen. Erledigt man Aufgaben mehrmals oberflächlich oder fehlerhaft, machen es die Anwälte in der Zukunft lieber selbst und geben dem Praktikanten nur noch Fleißarbeiten oder – im schlimmsten Fall – gar keine Aufgaben mehr. Sofern es trotz guter Erledigung der Aufgaben zu Leerlauf kommt, sollte man zunächst seinen Mentor nach Arbeit fragen. Wenn er keine Aufgabe hat, sollte man am besten mit ihm absprechen, woher man Arbeit bekommt, bevor man alle Büros „abklappert“.

VI. Fazit

Die theoretischen Blöcke am Vormittag geben einen guten Überblick über die Funktionsweise einer Großkanzlei. Das ist ausgesprochen hilfreich mit Blick auf Schwerpunktbereichs- und Berufswahl. Die Einbindung in die praktische Tätigkeit vertieft den Eindruck dann durch realistische Einblicke in einen bestimmten Tätigkeitsbereich. M & A ist Kerngeschäft in internationalen Wirtschaftskanzleien und schon deshalb war es für mich eine spannende Erfahrung, für einige Wochen an großen Transaktionen mitgearbeitet zu haben, wenngleich man letztlich doch immer nur einen kleinen Baustein in einem insgesamt sehr großen Gefüge zuliefert. Jedenfalls hilft ein Praktikum bei Linklaters – und wohl auch bei jeder anderen Großkanzlei – bei der Entscheidung, ob man später eine derartige Karriere anstrebt oder nicht.

Abschließend ist festzuhalten, dass jedenfalls meine Erwartungen erfüllt werden konnten: Einen umfassenden Einblick in die Welt des Wirtschaftsrechts habe ich erhalten, es gab genügend Freizeit, um Düsseldorf und die Region zu erkunden und ich weiß nun, was sich hinter den Buchstaben „M & A“ versteckt. Ich kann nur jeden ermutigen, es selbst herauszufinden.

 

- Björn Centner

 

 

  • Keine Kommentare gefunden
Melde Dich an um zu kommentieren
Powered by Komento
Free visitor tracking, live stats, counter, conversions for Joomla, Wordpress, Drupal, Magento and Prestashop