Zwanzigstes Türchen: Der Mensch und der Jurist

 

 

Ein Gedicht von Garry Konrath

 

Unser Gedicht am ersten Dezember hat buchstäblich alle Rekorde gebrochen, denn innerhalb weniger Tage ist es zum meist geklickten Beitrag des StudZR-Blogs aufgestiegen. Heute hat sich erneut ein Mitglied des Blog-Teams ans Dichten gewagt.
Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

 

Eines Tages sprach der Herr zur Welt:
Nur Mann und Frau sind nicht genug!
Ein drittes Wesen, wie’s gefällt
Löst Fälle über Lug und Trug!

Alsbald kam in den Bunde nun,
Zur Prävention von arger List,
Zwei Tafeln sich zusammentun,
Gesetzesliebender Jurist.

Zunächst galt’s auszulegen, zehn,
Die eingemeißelt und beredt!
Denn alle Leute sollten seh´n,
Was dort so wahr im Wortlaut steht.

Doch nach einigen Dekaden,
Wollt das Volk noch mehr geregelt.
Gesetze müssen weiter wagen,
Da war der Wortlaut weggekegelt.

Einigkeiten gab es baldig,
Nur noch nach Gerichtsentscheid.
Die schiere Menge, systematisch,
Gewoben in Gesetzeskleid.

Die Schulden und Sachen,
Die Sippe und das Testament.
Sollten gut Gesellschaft machen,
Historisch vertreten wird’s vehement!

Doch warum der ganze Schrieb?
Gibt es nicht genug zu streiten?
Die Klarheit fort durch einen Dieb
Der Jurist als Ursprung aller Unklarheiten!

Nun sammelt alles was ersonnen
In einem großen Almanach.
Der Tafeln Wort war nun entronnen,
Weil König Telos es so sprach.

Hinzu komm’n Abstraktionsprinzip,
Und viele and’re schlaue Dinge.
Von vielen durchweg ungeliebt,
Hinfort! Wenn es nach ihnen ginge.

Doch lässt er sich nicht unterkriegen,
Verteidigt auch die Schwafler willig,
Manch Gesetz gar arg verbiegen,
Doch ganz sicher wird’s nicht billig!

Das RVG als heilig Schrift,
Klemmt unter eines Anwalts Arm.
Schon ein mancher starb am Gift,
Weil er angerechnet ohne Scham.

Zumindest sprechen so die Massen,
Nur weil sie nicht begreifen können,
Wie Juristen Normen fassen,
Und sich keine Faulheit gönnen.

Gerecht am Ende ist’s nur dann,
Wenn Reg’lung durchaus sicherstellt,
Dass jedermann, will er denn klagen,
Auch sein persönlich Recht erhält.

Mancher mag Juristen hassen,
Und dieser will auch nicht versteh’n.
Warum sich mit Recht befassen?
Die Welt durch Recht geordnet sehn!

 

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