Leseempfehlungen für Erstsemester

 

Jura ist eine Lesewissenschaft. Die Auswahl an Büchern ist groß, vielleicht zu groß. Allein zum BGB AT gibt es derart viele Lehrbücher, dass man alleine mit der Auswahl des Lehrbuchs mehrere Wochen verbringen könnte. Damit ist die Frage aufgeworfen, was man lesen soll. Um zur Lösung dieser Frage beizutragen, habe ich in dieser Liste fünf Bücher zusammengetragen, deren Lektüre ich jeder Studienanfängerin und jedem Studienanfänger ans Herz legen kann.

 

1. Fritjof Haft: Einführung in das juristische Lernen - Unternehmen Jurastudium, 6. Auflage 1997

Wenn man ein Studium beginnt, weiß man üblicherweise nicht, wie man überhaupt richtig lernt. Leider wird es einem an der Universität meist auch nicht beigebracht. Vielmehr muss man selbst lernen, zu lernen. Klingt paradox, ist es aber nicht. Zum Glück gibt es nämlich Bücher, die der Bewältigung dieser klassischen Problematik dienen. Ein besonders empfehlenswertes wurde von Fritjof Haft geschrieben. Die 400 Seiten sind schnell gelesen, weil der Autor über einen vorbildlichen Sprachstil verfügt. Bei der Lektüre lernt man manches über Jura, einiges über die richtige Planung eines Studiums und vieles über juristisches Denken. Hat man das Buch dann durchgelesen, erkennt man, dass in dem Buch eine eigenständige Arbeitstechnik vermittelt wird, deren Anwendung einem im Studium viel Frust und Zeit ersparen kann. Für mich jedenfalls hat sich jede Minute Lesezeit für dieses Buch bezahlt gemacht.

 

2. Bernd Rüthers/Christian Fischer/Axel Birk: Rechtstheorie mit juristischer Methodenlehre, 7. Auflage 2013

Bernd Rüthers ist ein Jurist, den man in Deutschland kennen sollte. Seine Habilitationsschrift (Titel: Die unbegrenzte Auslegung) beleuchtet die Auslegungskunst der Juristen in der Zeit zwischen 1933 und 1945 und ist bereits in der siebten Auflage erschienen. So etwas geschieht nicht oft. Zum Ende seiner Laufbahn als Hochschulprofessor hat er sich dann entschieden, seine gesammelten rechtstheoretischen Erkenntnisse in einem Buch zusammenfassen. Das klingt auf den ersten Blick sehr abstrakt, wird dann aber doch sehr konkret: Wie lege ich überhaupt ein Gesetz aus? Was ist der Unterschied zwischen Auslegung und Rechtsfortbildung? Wofür steht Gerechtigkeit? Und – schließlich studiert man ja Rechtswissenschaft – was ist Recht überhaupt? Wen diese Fragen interessieren, sollte einen Blick in dieses Buch werfen. Am Anfang des Studiums hat man noch Zeit, es zu lesen.

 

3. Florian Faust: Bürgerliches Gesetzbuch - Allgemeiner Teil, 3. Auflage 2013

Erst in der Examensvorbereitung habe ich das Buch von Florian Faust zum Allgemeinen Teil des BGB entdeckt – und mich geärgert. Geärgert darüber, dass ich es damals nicht selbst benutzt habe. Man merkt diesem Buch an, dass es aus intensiver Lehrerfahrung entstanden ist. Hinter dem Buch steckt ein exzellentes didaktisches Konzept. Der Umfang des Werkes erschlägt einen nicht, sondern ist überschaubar. Arbeitet man es durch, dürfte man für die Fragen des Allgemeinen Teils bestens gerüstet sein.

 

4. Ute Mager/Ingo von Münch: Staatsorganisationsrecht unter Berücksichtigung der europarechtlichen Bezüge, 7. Auflage 2009

Das Staatsorganisationsrecht ist eine schwierige und am Anfang schwer zu durchdringende Materie. Um einen ersten Einblick in das Gebiet zu bekommen, eignet sich aus meiner Sicht das Buch von Ute Mager ausgezeichnet. Klassische und ewig wiederkehrende Klausurprobleme werden dort vorbildlich abgearbeitet. Die Struktur des Lehrbuchs ist sehr gut durchdacht. Hervorzuheben ist weiterhin, dass in dem Buch die europarechtlichen Bezüge des Staatsrechts umfassend beleuchtet werden. Das ist für das Verständnis der modernen Staatlichkeit im Mehrebenensystem eine große Hilfe. Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass dieses Buch sich im Vergleich zu vielen anderen staatsrechtlichen Büchern gut und zügig lesen lässt

 

5. Gustav Radbruch: Aphorismen zur Rechtsweisheit (gesammelt von Arthur Kaufmann), 1963

Heidelberg ist eng mit Gustav Radbruch verbunden, der vermutlich der bedeutendste deutsche Jurist des vergangenen Jahrhunderts sein dürfte. Sein Schüler Arthur Kaufmann hat sich die Mühe gemacht und sämtliche Werke und Briefe von Radbruch auf Aphorismen durchgesehen. Gefunden hat er ca. 600, die ausgesprochen lesenswert sind. Dies gilt umso mehr, weil man das Buch als Heidelberger Student/in bei Heidi kostenlos einsehen und sogar herunterladen kann. Zum Ende dieser Leseliste möchte ich den letzten Aphorismus des Buches zitieren. Er lautet: „Ein guter Jurist würde aufhören, ein guter Jurist zu sein, wenn ihm in jedem Augenblick seines Berufslebens zugleich mit der Notwendigkeit nicht auch die tiefe Fragwürdigkeit seines Berufes voll bewußt wäre.“

 

- Björn Centner

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