Schwerpunktbereich 3: "Verwaltungsrecht"

 

I. Einleitung

Der Schwerpunktbereich 3: "Deutsches und europäisches Verwaltungsrecht" ist der einzige rein öffentlich-rechtliche Schwerpunkt, den die Juristische Fakultät der Universität Heidelberg anbietet. Bereits der Begriff "Verwaltungsrecht" hat auf viele eine abschreckende Wirkung, wobei in der Prüfungskampagne Sommersemester 2013 über 30 Studierende die Klausur mitgeschrieben haben. Dabei ist der Begriff "Verwaltungsrecht" auch nur bedingt treffend, da viele Themenbereiche (siehe IV. Anhang) nicht direkt mit Verwaltungsrecht assoziiert werden. Dieser Bericht soll dem als "trocken" geltenden Schwerpunkt etwas Leben einhauchen und aufzeigen, dass es aufgrund jüngster Entwicklungen durchaus ein aktueller und attraktiver Schwerpunktbereich ist.

II. Der Schwerpunktbereich

Der Schwerpunktbereich wird von Herrn Prof. Dr. Kahl (geschäftsführend), Frau Prof. Dr. Mager und Herrn Prof. Dr. Axer organisiert und verwaltet. Viele Themenbereiche, die prüfungsrelevant sind, überschneiden sich mit den Themen der Staatsprüfung, es werden jedoch regelmäßig vertiefte Kenntnisse erwartet. Die Themenbereiche sind sehr weitreichend und gehen über Verwaltungs(prozess)recht, Baurecht bis zu Umwelt- und Europarecht. Die Studienarbeiten können entsprechend in vielen Bereichen geschrieben werden, wobei ich nicht beurteilen kann, inwiefern sich die Situation durch die zentrale Verteilung der Studienarbeitsthemen verändert hat. Gleichzeitig sind selbstverständlich auch all diese Themen prüfungsrelevant und entsprechend für die Vorbereitung auf die Klausur und mündliche Prüfung abzudecken. So ist insbesondere das europäische Umweltrecht von ständigen Veränderungen betroffen, nicht zuletzt durch die weitreichenden Gesetzesänderungen in diesem Bereich. Diese Veränderungen zeigen wie schnell sich die Rechtslage ändern kann und wie der Gesetzgeber darauf reagiert. Allerdings führt diese Aktualität zu einem Risiko, wenn es um die Prüfungssituation geht, da es zu vielen aufgeworfenen Rechtsfragen nicht genug Rechtsprechung und Literatur gibt. Die Vorlesung von Herrn Prof. Dr. Kahl beschäftigt sich genau mit diesen Veränderungen, auch mit der Idee eines Umweltgesetzbuches, das zwar mehrfach angestrebt, bis heute aber nicht verwirklicht werden konnte. Obwohl ich diese Vorlesung zu einer denkbar ungünstigen Zeit besuchen musste, war sie stets gut besucht und wurde durch Gastvorträge ergänzt, die einen praktischen Bezug hergestellt haben.

Der europäische Einfluss wird in diesem Schwerpunkt zunehmend relevant, selbst das nationale Baurecht erfährt Einschränkungen und Erweiterungen aufgrund europäischer Einflüsse. Man sollte definitiv ein Interesse und Grundverständnis für Europarecht mitbringen. Ärgerlich ist, dass in diesem Zusammenhang immer wieder auf das Europarecht und die Prüfungsrelevanz hingewiesen wird, was für den Studierenden bedeutet, dass er neben den vielen anderen Bereichen auch das Europarecht sehr ausführlich und auf der Ebene des Verwaltungsprozessrechts vertieft zu lernen hat.

Die Vorlesung im Sommersemester 2013 von Herrn Prof. Dr. Dres. h.c. Schmidt-Aßmann (Emeritus) zum europäischen Verwaltungsrecht hat ein weites Spektrum der europäischen und internationalen Einflüsse auf das nationales Verwaltungsrecht abgedeckt und Zusammenhänge deutlich werden lassen. Weiterhin wird auch das europäische Verwaltungsprozessrecht als Vorlesung angeboten. Somit ist das Verwaltungs- und Verwaltungsprozessrecht sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene abzudecken und zu behandeln, wobei viele Bereiche in diesem Fall auch für den Staatsteil zu lernen sind.

Raumordnungs- und Baurecht habe ich sowohl bei Prof. Dr. Mager als auch bei PD Dr. Klement gehört. Die Herangehensweise beider Dozenten war sehr verschieden, hat aber jeweils einen Überblick über die Themenbereiche geboten. Insbesondere in diesem Bereich ist das Angebot an aktueller und auf Baden-Württemberg zugeschnittener Literatur sehr begrenzt und daher sehr mühsam zu erschließen und zu erarbeiten.

Es wird jedes Semester eine AG angeboten, die anhand von Fällen die verschiedenen Gebiete abdeckt. Im Wintersemester 2012/2013 und Sommersemester 2013 wurde diese von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Susanne Abraham von Prof. Dr. Mager gehalten. Bereits die Vor- und Nachbereitung der Fälle ist sehr hilfreich und der Besuch der Veranstaltung aus meiner Perspektive und Erfahrung zu empfehlen.

III. Fazit

Die Veranstaltungen des Schwerpunktbereichs habe ich gern besucht. Die Themen haben mich interessiert und an vielen Stellen hat das zusätzliche Wissen meine Fähigkeiten im Öffentlichen Recht verbessert. Allerdings war die Vorbereitung auf die Schwerpunktklausur aufgrund der Fülle des Prüfungsstoffs und fehlender Einschränkungen innerhalb der Themenbereiche sehr aufwendig, insbesondere da es an einem schwerpunktspezifischen Lehrbuch fehlt. Die Vorbereitung wird zwar durch zahlreiche und regelmäßig angebotene Veranstaltungen unterstützt, diese sind jedoch im Zuge dessen auch vor- und nachzubereiten und mit einem entsprechenden Arbeitsaufwand verbunden. Im Rahmen der Vorbereitung würde ich daher auch raten die angebotenen Grundlagenveranstaltungen wie Europarecht zu besuchen oder ein entsprechendes Lehrbuch zu lesen, um den vertiefenden Veranstaltungen im Rahmen des Schwerpunkts folgen und damit daraus profitieren zu können.

Die Klausur für den Schwerpunktbereich habe ich vor dem Staatsteil geschrieben, kann allerdings keine Empfehlung für oder gegen dieses Vorgehen aussprechen. Meiner Meinung nach ist es ein großer Vorteil des Schwerpunkts, das man ihn mit dem Staatsteil zusammenschreiben kann, da viele Bereiche "sowieso" zu lernen sind und für das Gesamtverständnis unerlässlich sind. Allerdings sollte man sich bei der Wahl bewusst sein, dass es durchaus ein umfangreicher Schwerpunkt ist, der viele Überschneidungen mit anderen Rechtsgebieten hat und daher ein "abgegrenztes" und zielgerichtetes Lernen unmöglich macht.

Meinen Seminarschein habe ich bei Prof. Dr. Kahl erworben, das Seminar hatte sich mit "Aktuellen Themen des Umweltrechts" beschäftigt, mich hat gerade diese Aktualität und Modernität des Schwerpunkt angesprochen und gereizt. Allerdings muss ich darauf hinweisen, dass dies gleichzeitig dazu führt, dass viele aufgeworfene Probleme (noch) nicht gelöst sind und entsprechende Literatur und Rechtsprechung fehlt.

Insgesamt hat mich die Vorbereitung auf die Klausur viel Zeit gekostet, ich habe sowohl eine private als auch die von der Juristischen Fakultät angebotene AG besucht und zusätzlich viel Stoff im Eigenstudium aufarbeiten müssen. Insgesamt halte ich die Themen für sehr interessant. Da ich einen öffentlich-rechtlichen Schwerpunkt machen wollte, hatte ich auch keine Alternativen, würde den Schwerpunkt jedoch wieder wählen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Schwerpunkt für all diejenigen geeignet ist, die dem Öffentlichen Recht zugeneigt sind, aktuelle Themen und politische Einflüsse mögen und die Verbindung verschiedenster Gesetze und Themengebiete als spannend und herausfordernd ansehen.

- Inga Rau

 

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