Schwerpunktbereich 8a: „Internationales Privat- und Verfahrensrecht“

 

In diesem Erfahrungsbericht werden zuerst die angebotenen Veranstaltungen skizziert (folgend I.). Es folgt eine Beleuchtung der Examensrelevanz (folgend II.), an die sich eine Betrachtung von Vor- und Nachteilen anschließt (folgend III. und IV.). Abschließend wird ein Fazit gezogen (folgend V.).

I. Inhalt

Insbesondere das Kolloquium zum Schwerpunktbereich, das von Herrn Professor Hess angeboten wird, ist eine echte Besonderheit des Schwerpunktbereichs 8a. In dieser Veranstaltung werden in einer Kleingruppe aktuelle Gerichtsentscheidungen nachvollzogen und kritisch hinterfragt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Methode der Falllösung, was für die erfolgreiche Bewältigung der Schwerpunktklausur unerlässlich ist.

Weiterhin gibt es im Sommersemester eine Veranstaltung zur Schiedsgerichtsbarkeit, an der einige der renommiertesten Anwälte auf diesem Gebiet als Dozenten teilnehmen.

Hervorzuheben ist außerdem das große Engagement des gesamten Instituts für ausländisches und internationales Privat- und Wirtschaftsrecht. So lebt der Schwerpunktbereich etwa davon, dass der langjährige Institutsdirektor Herr Professor Jayme nach wie vor Vorlesungen hält und Frau Dr. Witteborg-Erdmann regelmäßig rechtsvergleichende Arbeitskreise organisiert. Ergänzt wird das international ausgerichtete Studienangebot durch die Organisation von Lehrveranstaltungen, in denen ausländische Gastwissenschaftler ihre jeweiligen Rechtsordnungen den rechtsvergleichend interessierten Veranstaltungsteilnehmern näherbringen.

II. Examensrelevanz

Hinsichtlich der Examensrelevanz des Schwerpunktbereichs ist zunächst festzuhalten, dass Internationales Privatrecht Pflichtstoff im Staatsteil ist. In meinem Examenstermin wurde IPR in zwei Klausuren abgeprüft, was allerdings eher als Ausnahme einzustufen sein dürfte. Überdies ist das IPR ein Bereich, der momentan dem ständigen Wandel in Form der europäischen Rechtsvereinheitlichung unterliegt. Dadurch lernt man viel über Anwendung und Auslegung von Europarecht sowie das Zusammenspiel zwischen nationalem und europäischem Recht. Durch die Analyse von Entscheidungen des EuGH beginnt man, das Europarecht insgesamt besser zu verstehen. Ferner ist zu bedenken, dass man im Schwerpunktbereich 8a profunde Kenntnisse im Prozessrecht erwirbt, weil ein Verständnis des internationalen Zivilverfahrensrechts dies nachgerade voraussetzt. Diese Kenntnisse im Prozessrecht sind im Examen eine große Hilfe. Die Wahl des Schwerpunktbereichs 8a wirkt sich damit insgesamt durchaus positiv auf den Staatsteil aus. Statistiken belegen dann auch, dass Teilnehmer des Schwerpunktbereichs 8a im Staatsteil überdurchschnittlich gut abschneiden.

Andererseits ist aber zu sehen, dass die Examensrelevanz bei anderen Schwerpunktbereichen fraglos größer sein dürfte. Diese weisen teilweise extreme Überschneidungen mit dem staatlichen Pflichtstoff auf.

III. Vorteile

Die behandelten Fallkonstellationen sind durchaus vielfältig. So haben wir im Kolloquium etwa von A wie Architektenrecht über G wie Gesellschaftsrecht und S wie Sportrecht bis hin zu Z wie (internationales) Zustellungsrecht kaum einen Rechtsbereich unberührt gelassen. Die konstante Behandlung von komplizierten, internationalen Sachverhalten mit Bezügen zu unterschiedlichen Rechtsgebieten führt dazu, dass man ein gutes Verständnis für die Gesamtrechtsordnung entwickelt. Man lernt, klar zwischen den einzelnen Denkschritten zu trennen und sich juristisch sauber dem richtigen Ergebnis zu nähern. Diese Art der Arbeit gleicht nicht zuletzt auch der Arbeit vieler Praktiker, die täglich mit internationalen Sachverhalten zu tun haben. Und auch im Examen kommt es letztlich darauf an, methodisch eine juristische saubere Lösung eines unbekannten Falles zu entwickeln.

Ein weiterer Vorteil des Schwerpunktbereichs ist die Kompatibilität mit dem Auslandsstudium. Sofern man im europäischen Ausland studieren möchte, kann man die grundlegenden Vorlesungen für den Schwerpunktbereich an der Gastuniversität belegen (IPR, IZVR, Völkerrecht). Dies ist möglich, weil das internationale Privat- und Verfahrensrecht in Europa weitgehend europarechtlich vereinheitlicht ist. Dadurch lässt sich der Schwerpunktbereich praktisch komplett im Ausland studieren, wodurch ein Zeitverlust durch einen Auslandsaufenthalt verhindert werden kann. Regelmäßig hat dann eine Vielzahl der Schwerpunktbereichsteilnehmer selbst im Ausland studiert, wodurch die Diskussionen in und nach den Veranstaltungen positiv beeinflusst werden.

IV. Nachteile und Entwicklungsmöglichkeiten

Infolge der sich ständigen Änderung der Gesetzeslage existieren wenige aktuelle Lehrbücher zu Teilbereichen des Schwerpunktbereichs. Viele rechtliche Fragen sind noch ungeklärt. Überdies lässt sich nicht bestreiten, dass der Schwerpunktbereich 8a im Vergleich zu anderen Schwerpunktbereichen als eher arbeitsaufwendig und komplex einzuordnen sein dürfte. Es mag jeder selbst entscheiden, ob er darin einen Nachteil oder einen Vorteil sieht.

Wünschenswert wäre in Zukunft eine Vorlesung zum internationalen Zivilverfahrensrecht, in welcher der Gegenstand holistisch dargestellt wird. Perspektivisch scheint es zudem geboten, im Schwerpunktbereich 8a Lehrveranstaltungen in englischer Sprache anzubieten. Als ich den Schwerpunktbereich absolviert habe, wurde noch die Vorlesung „Transnational Commercial Law“ auf Englisch angeboten. Diese wurde aber leider wieder eingestellt.

V. Fazit

Die Erfahrungen, die ich mit dem Schwerpunktbereich 8a gemacht habe, sind ausgesprochen positiv. Sofern ein Interesse für Internationalität und Zivilrecht vorhanden ist, kann ich jeden nur ermutigen, diesen Schwerpunktbereich zu wählen. Damit soll aber keinesfalls eine Be- oder Abwertung anderer Schwerpunktbereiche verbunden sein. Im Gegenteil habe ich selbst die Erfahrung gemacht, dass der supplementäre Besuch von Vorlesungen aus anderen Schwerpunktbereichen ausgesprochen gewinnbringend sein kann.

 

- Björn Centner

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