Schwerpunktbereich 5b: „Unternehmensrecht“

 

I. Einleitung

Unternehmensrecht (Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht): Klingt stark nach Großkanzlei, denken sich die meisten Jurastudenten. Stimmt auch: Die beiden Rechtsgebiete, die maßgebender Inhalt und Pflichtstoff des Schwerpunktbereichs sind, gehören zu den Arbeitsgrundlagen des Anwalts einer großen Wirtschaftssozietät. Deren Einstiegsgehälter schallen wie Musik in den Ohren. Nicht ohne Grund wird der Schwerpunkt daher immer attraktiver. Allerdings sollte man sich schnell von dem Gedanken frei machen, dass der Schwerpunkt die Eintrittskarte in die große Welt der Wirtschaftssozietäten ist. Der Schwerpunktbereich ist letztlich nur die Kür der Ersten juristischen Prüfung. Vielmehr ist der Staatsteil entscheidendes Einstiegskriterium. Deswegen der dringliche Hinweis: Wählt einen Schwerpunkt, der euch fachlich interessiert! Der nachfolgende Beitrag soll die fachliche Seite des Schwerpunktbereichs erläutern und mithin für das Unternehmensrecht begeistern.

II. Der Schwerpunkt

Ein Unternehmensrecht im Sinne eines "Unternehmensrechtgesetzbuches" gibt es bislang nicht und wird es wohl auch nie geben. Auch eine einheitliche Definition steht bislang noch aus. Die juristische Fakultät der Universität Heidelberg versteht unter "Unternehmensrecht" die Rechtsgebiete Gesellschaftsrecht und Kapitalmarktrecht, die ihrerseits über viele verschiedene Gesetze (u.a. BGB, HGB, GmbHG, AktG, WpHG, WpÜG) verstreut sind. In Deutschland wird im Gegensatz zu den USA das Kapitalmarktrecht und das Gesellschaftsrecht weitestgehend getrennt behandelt, wie selbst die Gesellschaftsrechtslehrbücher der jüngeren Generation zeigen.[1] Das überrascht nicht nur, sondern erschwert uns auch die Erarbeitung der Rechtsmaterie. Denn im Falle börsennotierter Gesellschaften ist das Zusammenspiel von Kapitalmarktrecht und Gesellschaftsrecht äußerst vielschichtig und vielfältig.[2] Es wäre daher längst angebracht, die beiden Rechtsgebiete in einem schönen dicken Wälzer zusammenzufassen.

Auf den besagten Gebieten haben wir das Glück und die Ehre, hervorragende Professoren an unserer Seite zu wissen, die sich fachlich zu 100 % ergänzen. Herr Prof. Ebke ist aufgrund seiner langjährigen Erfahrung Ansprechpartner des Schwerpunktbereichs und Fachmann auf den Gebieten Kapitalmarktrecht (im Wesentlichen WpHG, WpÜG und BörsG) und Kapitalgesellschaftsrecht (im Wesentlichen AG- und GmbH-Recht). Herr Prof. Geibel ist hingegen Fachmann im Personengesellschaftsrecht (im Wesentlichen GbR, OHG, KG). Dementsprechend wurden auch die Vorlesungen unter den beiden Professoren aufgeteilt. Ferner liest Herr Prof. Hommelhoff als Herausgeber einer der führenden Kommentare zum GmbHG das GmbH-Recht (zu meiner Zeit im Zusammen- oder auch Gegenspiel mit Herrn Goette, dem ehemaligen Vorsitzenden des Gesellschaftsrechtssenats beim BGH).

Die Semesterwochenstunden sind überschaubar (zwischen 2-6) und lassen eine ausführliche Vor- und Nachbereitung zu. Hierfür empfehle ich Saenger zum Gesellschaftsrecht und Buck-Heeb zum Kapitalmarktrecht als Grundlektüre. Der Saenger ist zwar noch sehr jung, aber keinesfalls lückenhaft oder oberflächlich. Im Gegenteil. Ihr werdet schnell merken, dass die anderen Lehrbücher im Gesellschaftsrecht eher an das Grundstudium als an das Schwerpunktstudium orientiert sind. Ausgenommen natürlich die hellblaue "Bibel" zum Gesellschaftsrecht von Karsten Schmidt. Die letzte Ausgabe dieses Werkes stammt zwar aus dem Jahre 2002, ist aber zumindest im Personengesellschaftsrecht immer noch sehr lesenwert, um schwierige Probleme eingehend zu durchdringen. Ein richtiger Gesellschaftsrechtler muss mindestens einmal in das Urwerk des Gesellschaftsrechts hineingeblickt haben. Ferner ist die Lektüre des Münchener Kommentars zu den jeweiligen Gesellschaftsformen lohnenswert.

Sowohl die Studienarbeit als auch die Schwerpunktklausur wird im Wechsel von Prof. Ebke und Prof. Geibel angeboten bzw. gestellt. Bei zahlenmäßig starken Jahrgängen ist es möglich, den betreuenden Professor zu wählen. Neuerdings können auch bei Prof. Hommelhoff wieder Studienarbeiten geschrieben werden (meist über das GmbH-Recht). Die Schwerpunktklausur ist immer in drei Teile aufgeteilt: Personengesellschaftsrecht, Kapitalgesellschaftsrecht und Kapitalmarktrecht. Unabhängig davon, wer die Klausur stellt, erwartet die Schwerpunktstudenten eine anspruchsvolle Klausur, die weit über den Grundlagenstoff hinausgeht. Das Studium aktueller Rechtsprechung und aktueller Probleme ist obligatorisch, um in die hohen Punktzahlen zu schreiben. Als Beispiel kann hier die erste Aufgabe des Examenstermins Herbst 2011 genannt werden. Die Aufgabe befasste sich mit einem erneut aufgekeimten Problem aus dem Personengesellschaftsrecht, das Karsten Schmidt als „Personengesellschaftsrecht am Hochreck“ [3] beschrieb. Für eine gute Klausur sollten folglich alle drei Teilbereiche im Vorfeld eingehend beackert werden.

Ziel des Schwerpunktbereiches ist es, die Schwerpunktstudenten zu Fachmännern/-frauen des Unternehmensrechts auszubilden. Die zuständigen Professoren der Fakultät zeichnen sich durch ihre hervorragenden wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungen mit den Rechtsgebieten aus und sind daher die ideale Grundlage für ein erfolgreiches Schwerpunktstudium. Zwar ist es häufig schwierig, viele Probleme auch aus praktischer und vor allem ökonomischer Sicht zu beleuchten. Hierbei helfen jedoch ggf. ausstehende Praktika bei Unternehmen oder Wirtschaftskanzleien. Auch bei den Professoren stößt man natürlich auf offene Ohren bei ausstehenden Fragen.

III. Fazit

Ich würde den Schwerpunkt wieder wählen. Er ist vielseitig, anspruchsvoll, wissenschaftlich hochtrabend und von höchster, praktischer Relevanz. Eine Eignung oder besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Man sollte möglichst Spaß am Zivilrecht haben und den Schwerpunkt nicht nur aus karrieretechnischen Gründen wählen.

Viel Erfolg bei Deiner Wahl!

- ref. iur. Philip Schmoll(Schwerpunkt: 11,7; Staatsteil: 8,91 mit ausstehender mündlicher Prüfung)

 


[1]Bitter, Gesellschaftsrecht; Saenger, Gesellschaftsrecht.

[2]Ebke, FS Hommelhoff, S. 162 m.w.N.

[3]K. Schmidt, JuS 2011, S. 361, 363.

  • Keine Kommentare gefunden
Melde Dich an um zu kommentieren
Powered by Komento
Free visitor tracking, live stats, counter, conversions for Joomla, Wordpress, Drupal, Magento and Prestashop