Leitlinien zur Wahl des Schwerpunktbereiches

 

Die richtige Wahl des Schwerpunktbereichs ist eine der ersten folgereichen Entscheidungen in dem Leben eines/r angehenden Juristen/in. Wovon sollte man sich bei dieser Entscheidung leiten lassen? In der Praxis ist die Bedeutung des Staatsteils größer als das Gewicht von 70%, das diesem in der JAPrO zugewiesen wird. Ist die Note im Schwerpunktbereich auffallend besser als die im Staatsteil, so zeugt dies nicht von guter, sondern von schlechter Schwerpunktsetzung. Ist die Note im Schwerpunktbereich auffallend schlechter als diejenige im Staatsteil, so ist dies jedenfalls erklärungsbedürftig, weil zumeist die im Schwerpunkt erreichten Noten deutlich über den im Staatsteil vergebenen liegen. Wählt man einen Schwerpunktbereich, mit dem man nicht zurechtkommt, verzögert sich das Studium unnötig durch einen Wechsel. Die Entscheidung sollte deshalb gut durchdacht werden.

Aus meiner Sicht sind danach für die Wahl des Schwerpunktbereichs insbesondere drei Faktoren ausschlaggebend. Erstens sollte ein ehrliches Interesse für den Gegenstand des Schwerpunktbereichs vorhanden sein (folgend I.). Zweitens sollte sich die Wahl des Schwerpunktbereichs nicht negativ auf den Staatsteil auswirken (folgend II.). Drittens sollte man sich jedenfalls vorstellen können, den Schwerpunktbereich auch später beruflich weiterzuverfolgen (folgend III.).

I. Interesse

Jeder muss für sich selbst den richtigen Schwerpunktbereich finden. Ob ein persönliches Interesse für einen bestimmten Schwerpunktbereich vorhanden ist, kann man am besten dadurch herausfinden, dass man Schwerpunktveranstaltungen besucht, einschlägige Praktika absolviert oder einen Blick in die Standardlehrbücher wirft. Auch die Erfahrungsberichte auf der Homepage der StudZR können einen ersten Eindruck vermitteln.

Auf keinen Fall sollte der Schwerpunkt übereilt und auf Grundlage unsicherer Information gewählt werden. Insbesondere ist nachdrücklich davon abzuraten, sich von Gerüchten leiten zu lassen. Hinter jeder Information aus einer Drittquelle können verborgene Interessen stecken, die für einen selbst weder erkennbar noch zielführend sind. Es lohnt sich deshalb, sich umfänglich ein eigenes Bild zu machen. Dabei sollte man nicht vergessen, dass eine verfrühte Wahl des Schwerpunktbereichs objektiv keine Vorteile bietet, da man die Schwerpunktveranstaltungen ohnehin besuchen kann. Hat man dennoch einen Schwerpunkt verfrüht gewählt, den man später doch nicht bis zum Ende verfolgen will, so führt dies zu einem nicht unerheblichen Verlust von Zeit und Kraft.

II. Staatsteil

Ein richtig gewählter Schwerpunktbereich kann einen Ausgleich zu dem übrigen Studium darstellen, insbesondere auch zur Examensvorbereitung. Sehr gefährlich ist es allerdings, einen Schwerpunktbereich deshalb zu wählen, weil dort die Noten vermeintlich besonders gut ausfallen. Vielmehr korrelieren die Noten in jedem Schwerpunktbereich mit dem Interesse am Gegenstand und dem Arbeitseinsatz sowie den individuellen Fähigkeiten des Schwerpunktbereichsteilnehmers.

Nachdrücklich davon abzuraten ist ferner, sich über mehrere Semester ausschließlich auf den Schwerpunktbereich zu konzentrieren. Durch eine herausragende Note im Schwerpunktbereich kann man eine mangelhafte Leistung im Staatsteil nicht ausgleichen. Vielmehr sollte man den Staatsteil nie aus den Augen verlieren. Am Ende des Studiums muss der Staatsteil erfolgreich verlaufen.

III. Berufsperspektive

Sicherlich legt man sich mit der Wahl eines Schwerpunktbereichs nicht für sein gesamtes Berufsleben fest. Es dürfte nahezu immer möglich sein, die notwendigen Fachkenntnisse auch noch im Berufsleben nachzuholen. Das bedeutet aber keinesfalls, dass es nicht sinnvoll sein kann, den Schwerpunktbereich mit Blick auf eine spätere berufliche Tätigkeit zu wählen. So ist die intensive Beschäftigung mit einer Materie etwas, was einem den Berufseinstieg in einem spezialisierten Gebiet gewiss erleichtert.

Spielt man beispielsweise mit dem Gedanken, später in der Strafrechtspflege sein Tätigkeitsfeld zu entfalten, so erhält man im Schwerpunktbereich Kriminalwissenschaften eine hervorragende Ausbildung zu grundlegenden Fragen, mit deren Beschäftigung einem später im Berufsleben die Zeit fehlen könnte. Es erscheint bei natürlicher Betrachtung doch als ambitioniert, berufsbegleitend theoretische Kenntnisse zur Kriminologie, zur Soziologie oder zur Psychologie nachholen zu wollen.

Einen Sonderfall stellt sicher der Schwerpunktbereich 1 dar, der sich auf die historischen Grundlagen des Rechts konzentriert. Das Studium der Grundlagenfächer ist immer eine gute Idee und führt zu der Ausbildung von Fähigkeiten, die im kompletten Berufsleben fruchtbar gemacht werden können. Wenn man sich also ernsthaft für die historische Dimension des Rechts begeistern kann, so wird man es sicher sein ganzes Leben bedauern, dass man im Studium nie eine Digestenexegese durchgeführt hat. Gerade Schwerpunktbereich 1 zeigt, wie wichtig es ist, ein ernsthaftes Interesse für den Gegenstand des Schwerpunktbereichs zu haben.

 

- Björn Centner

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