University of San Diego Summer Law School Paris

University of San Diego Summer Law School in Paris vom 2. Juli bis 4. August 2012

 

Es ist im Jahr 1973 in Paris, la Ville-Lumière, als das Institute on International and Comparative Law der University of San Diego (USD) die erste amerikanische Law School in Europa veranstaltet. Der Grundstein ist gelegt für ein jährliches Programm, welches in erster Linie Studierende der Rechtswissenschaft, aber auch Doktoranden aus aller Welt zusammenbringt, deren fachlichen Austausch fördert und Offenheit wie auch maximale Leistung fordert. Im Sinne dieser alljährli­chen Tradition versammelten sich auch im Sommer 2012 etwa 60 internationale Jurastudierende in Paris, um gemeinsam internationales Recht zu erlernen und zu praktizieren. Dabei verwandelte die Vielfalt an Nationalitäten – geprägt von amerikanischen und kanadischen Studierenden, Mexikanern, Argentiniern, Philippinen und Europäern – die USD Summer Law School Paris 2012 in ein reichhaltiges interkulturelles Studienerlebnis.

Die Kursteilnehmer konnten jeweils einen Kurs aus jeder der folgenden zwei Fächergruppen belegen – International Contracts, International Internet Law oder European Union Law und International Human Rights, International Business Transactions oder Public International Law. Fünf Professoren aus namenhaften amerikanischen Universitäten und ein französischer Professor der Université Paris I Panthéon-Sorbonne leiteten jeweils einen Kurs.

Mein erster Kurs in International Contracts befasste sich primär mit der Anwendung der CISG, United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods, mit den Problemen anwend­baren Rechts im internationalen Handelsverkehr und mithin mit dem Verhältnis des US-ameri­kanischen UCC, Uniform Commercial Code zum nationalen Recht von Civil Law Countries. Da der Fokus auf die unterschiedliche Behandlung von grenzüberschreitenden handelsrechtlichen Fällen in Civil Law Systems einerseits und Common Law Systems andererseits lag, konnten Unter­schiede und Gemeinsamkeiten, Schwächen und Stärken dieser beiden Rechtskreise durch Beiträge einzelner Teilnehmer eines nationalen Rechtssystems im Dialog herausgearbeitet werden. Auch die Analyse steuerrechtlicher Probleme im internationalen Handelsverkehr war eine – insbesondere für Civil Law Students neue – Begegnung mit dem US-amerikanischen taxation system.

Meine zweite Unterrichtseinheit Public International Law behandelte zunächst Rechtsquellen und Akteure des völkerrechtlichen Systems sowie das Verhältnis von internationalem und nationalem Recht mit der daraus resultierenden fraglichen Gerichtszuständigkeit. Unter Analyse und Anwen­dung völkerrechtlicher Verträge wie der VCLT, Vienna Convention on the Law of Treaties und der CAT, Convention against Torture, der Vienna Convention on Consular Relations und der UN-Charta wurden im weiteren Kursverlauf verschiedene Themengebiete vertieft. Ausgangspunkt war stets ein sich zugetragener Konflikt, der anhand unterschiedlicher Quellen – insbesondere Urteilen, politische Korrespondenzen, Staatsverträgen und Gutachten des Internationalen Gerichtshofs – argumentativ zu beleuchten war. Die Spannbreite an einschneidenden völkerrechtlichen Proble­matiken erstreckte sich von Menschenrechten und dem internationalen Strafrecht auf Gewaltan­wendung im bewaffneten Konflikt und Terrorismusbekämpfung bis hin zu inter­nationalen Wirt­schaftsbeziehungen unter dem Aspekt ausländischer Direktinvestitionen und umweltrechtlich ausgelöster Handelsstreitigkeiten. Dieser Kurs ermöglichte es, auch politisches und historisches Wissen zu erweitern und mithin eine Argumentationsweise zu entwickeln. Die detaillierten Urteils- und Vertragsanalysen lehrten uns eine besondere Feinfühligkeit und Genauigkeit bei der rechtlichen Problembehandlung. Zudem sorgte die Lektüre zahlreicher US Courts Judgements aus europäischer Sicht für ein vertieftes Verständnis der US-amerikanischen Gerichtsbarkeit.

Der Unterricht erfolgte vormittags von 9.00 bis 10.35 Uhr und von 10.40 bis 12.20 Uhr. Als Studienort diente das zur Université Paris I Panthéon-Sorbonne gehörende und im Marais sur la rive droite de la Seine, im vierten Arrondissement von Paris gelegene Centre Malher. Nach dem Unter­richt bot diese Lage im Herzen von Paris die wunderbare Möglichkeit, in einem der vielen Restau­rants und Cafés ein déjeuner oder etwas Feines von einer Boulangerie zu genießen bevor man die Metropole – sogar à pieds – erkundet. Zwar verlockt Paris mit seiner kunst- und kulturhistori­schen Pracht sowie dem Mythos des savoir vivre. Doch war die tägliche, etwa 70 Seiten umfas­sende englischsprachige Lektüre von Theorie und Anwendungsfällen, die sorgfältig auf die nächste Unterrichtsstunde vorzubereiten war, nicht zu unterschätzen. Hierzu konnte man sich entweder in die mit Computern und fremdsprachiger Fachliteratur ausgestattete Bibliothek des Centre Malher oder bei gutem Wetter an das Ufer der Seine setzen. Je nach Kurswahl waren auch Präsentationen anzufertigen. Hatte man das Reading durchgearbeitet, ermöglichten die kleinen Kursgruppen von bis zu 15 Personen jeden Tag interessante Diskussionen und einen dynami­schen und fruchtbaren Unterricht. Eine außerordentliche Bereicherung war es, mit der amerika­nischen Unterrichtsweise vertraut zu werden, die durch interaktive und praxisorientierte Gestal­tung die Studierenden zur Beteiligung animiert und dadurch automatisch stark individuell fördert. Im Hinblick auf die schriftlichen zweieinhalbstündigen Abschlussexamen in jedem Kursfach und als zukünftigen fachlichen Mehrwert zahlte sich der konstante Arbeitsaufwand für jeden Kursteilnehmer aus. Über den obligatorischen Vormittagsunterricht hinaus fanden an drei verschiedenen Nachmittagen so genannte legal visits statt. Eine einzigartige Gelegenheit, die der Öffentlichkeit sonst in dieser Art und Weise nicht zugänglichen, architektonisch herausragenden Räumlichkeiten des Palais de Justice, des Conseil d’État und des französischen Sénat zu erleben und mit der Arbeit der französischen Judikativen und Legislativen vertraut zu werden. Von amerikanischen und französischen Juristen geführte Vorträge und Diskussionsrunden im Centre Malher erweiterten das fachbezogene Kursspektrum zusätzlich.

Kulturelle und historische Höhepunkte fanden sich im abwechslungsreichen Rahmenprogramm. Kunstinteressierte konnten beim Besuch der malerischen Gemeinde Giverny in die Welt des Impressionisten Claude Monet eintauchen oder eine gemeinsame Besichtigung des Musée du Louvre wahrnehmen. Im Rahmen eines Ausflugs in die Champagne wurden die Keller von Moët & Chandon – begleitet von einer Champagnerdegustation – erkundet. Einmalig war auch die Besichtigung des Kloster- und Weinguts in Hautvillers, wo der französische Benediktinermönch Dom Perignon, im 17. Jahrhundert den Champagnerherstellungsprozess maßgeblich entwickelte. Ferner gewährte eine Wochenendreise durch die Region der Loire unvergessliche Einblicke in die wunderschönen französischen Châteaux, deren Gärten und fruchtbare Weinregionen. Unter anderen wurden das Chateau Royal de Blois, das mittelalterliche Schloss Fort de Langeais, das Chateau Chenonceau sowie die Renaissance-Gärten des Chateau Villandry besichtigt, wobei zur nächtlichen Ruhepause in die kleine Ortschaft Azay-le-Rideau – berühmt für das gleichnamige märchenhafte Wasserschloss – eingekehrt wurde. Krönender Abschluss des Wochenendausflugs bildete eine Führung durch die Kathedrale von Chartres – unversehrtes Meisterwerk hochgotischen Baustils, das kunst- und kulturhistorische Strömungen aus dem Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts vereint. Eine Glückliche Fügung war es außerdem, den französischen Nationalfeiertag, den 14 juillet, in der Hauptstadt mitfeiern – die Militärparade auf der Avenue des Champs-Élysées und das Feuerwerk an der Tour Eiffel bei Anbruch der Dunkelheit erleben zu können. Nicht unerwähnt soll schließlich die abendliche Bootsfahrt über die Seine bleiben, welche die Professoren mit einem Großteil der Teilnehmer vor der bereits anstehenden Prüfungsphase gemeinsam unternahmen.

Nachdem am 4. August die letzte Prüfung geschrieben war, wurden alle Profes­soren und Teilnehmer bei einer Reception im Centre Malher mit Champagner und süßen Köstlichkeiten à la française verabschiedet. In seiner Abschiedsrede griff Professor Lazarow, Gründer und selbst Dozent des Programms, die Gedanken Marcel Prousts auf: „The real voyage of discovery consists not in seeking new landscapes, but in having new eyes.“ Jeder von uns Studierenden hat in den fünf Kurswochen nicht nur neue Kenntnisse auf dem Gebiet des internationalen Rechts erworben, sondern insbesondere gelernt, Rechtsprobleme aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten. Gelernt, die unterschiedlichen Herangehensweisen verschiedener Rechtssysteme zu vergleichen, sein eigenes nationales Recht mit Flexibilität und Kreativität besser einzusetzen, Sensibilität und Offenheit für Alternativen zu entwickeln.

Auf diese Art und Weise kann der fachliche Umgang international arbeiten­der Juristen effektiver und optimale Problemlösungen gewährleistet werden.

“The USD Summer Law School Paris 2012 made us see the law through new eyes.”

 

- Petja Ivanova

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