Außen- und Innenansichten zum Philip C. Jessup Moot Court

Auf der Suche nach dem Jessup-Spirit

 

Die Außenansicht – Was ist der Jessup?

Der Philip C. Jessup Moot Court ist der traditionsreichste, größte und der mit Abstand international bekannteste unter den zahlreichen juristischen Moot Courts. 500 Uniteams aus mehr als 80 Ländern nehmen jährlich daran teil und bearbeiten einen völkerrechtlichen Fall. Ganz generell handelt es sich bei einem Moot Court um einen Wettbewerb, an dem Studententeams von verschiedenen Universitäten gegeneinander antreten und als Anwälte vor einer mit Praktikern besetzten Richterbank überzeugen müssen. Sobald der fiktive, aber durchaus realitätsbezogene Fall veröffentlicht ist, beginnt die Recherchearbeit. Die Teams teilen sich in Applicant und Respondent ein und müssen in den folgenden Monaten die stärksten Argumente für ihre Partei finden und in ein überzeugendes Memorial gießen. Der gesamte Wettbewerb findet in englischer Sprache statt. Von der Abgabe der Schriftsätze bis zum Wettbewerbsfinale werden die Plädoyers eingeübt, damit das erworbene Fachwissen mit den nötigen rhetorischen Fertigkeiten präsentiert und auch jede noch so spitzfindige Richterfrage schlagfertig und überzeugend beantwortet werden kann. Nach dem nationalen Vorausscheid, der kommenden Februar in Heidelberg ausgetragen wird, werden die drei besten deutschen Teams zum internationalen Finale nach Washington D.C. reisen.

Die Innenansicht – Wie fühlt es sich, an Mootie zu sein?

Vor dem Hintergrund der oben genannten Informationen habe ich mich im Sommersemester darum beworben, beim diesjährigen Jessup im Heidelberger Team dabei zu sein. Ich wollte den Jessup-Spirit, der während des Finales unter all den Teilnehmern zu spüren sein soll, am eigenen Leib erfahren und die Chance nutzen, ein Semester lang gemeinsam mit einem starken Team in die Tiefen des Völkerrechts vorzudringen.

Seit September bin ich einer von fünf Jessup-Mooties.

Davor konnten wir ahnen, was uns erwartet…

… aber nun sind wir mittendrin!

Statt zur Vorlesung zu gehen, arbeiten wir im Heidelberger Max Planck Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht an unseren Claims. Unser Fall dreht sich um die Auswirkungen, die der Klimawandel auf kleine Inselstaaten und deren Bewohner hat bzw. vielleicht in naher Zukunft haben wird. Zu fünft teilen wir uns ein Büro, das sich nach und nach mit Büchern aus der riesigen Institutsbibliothek gefüllt hat. Inzwischen leben wir physisch praktisch rund um die Uhr im Institut und gedanklich in Alfurna oder Rutasia – den erdachten Staaten, die wir vor dem IGH vertreten sollen.

Wusstet ihr, dass viele kleine Inselstaaten schon heute Pläne dafür machen, was passiert, wenn ihr Territorium dank des steigenden Meeresspiegels untergeht? Oder dass bestritten wird, dass Menschen, die aufgrund von Naturkatastrophen ihr Heimatland verlassen müssen, Flüchtlinge sind?

Dieser spannende lebensnahe Bezug der Fallproblematik, sowie die Teamarbeit und die hervorragende Betreuung durch unsere Coaches kompensieren Schlaf-, Bewegungs- und Freundesentzug. Dennoch tickt die Uhr… – nur noch ein paar Wochen, Tage und Nächte voller Sandwiches, Kaffee und Energydrinks – dann wird sich entscheiden, ob unsere harte Arbeit belohnt wird und uns der Jessup nicht nur als einmalige Erfahrung unseres Studiums, sondern auch als ein einmalig erfolgreiches Erlebnis in Erinnerung bleiben wird!

 

- Elli Benz

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