Erfahrungsbericht zum European Law Moot Court 2012/2013

 

Bewerbung für den European Law Moot Court und Teambildung

Gründe für eine Teilnahme am European Law Moot Court gibt es viele und entsprechend vielfältig waren unsere. An erster Stelle stand natürlich das Interesse am Europarecht. Dieses hat sich im Laufe der Arbeit noch verstärkt, was sich übrigens darin zeigt, dass einige von uns, die bei der Bewerbung in einem anderen Schwerpunktbereich angemeldet waren, nun zum Schwerpunkt Europarecht wechseln. Das Außergewöhnliche am European Law Moot Court ist seine Zweisprachigkeit: Dass sowohl die Schriftsätze als auch die mündlichen Plädoyers teilweise in englischer und teilweise in französischer Sprache verfasst bzw. gehalten werden, ist eine einzigartige Möglichkeit, die jeweilige Rechtssprache zu verbessern. Ausschlaggebend war schließlich auch die Möglichkeit, den mündlichen Vortrag zu üben, dem im Jurastudium sonst kaum Platz eingeräumt wird.

Trotz dieser gemeinsamen Interessen sind die sieben Mitglieder unseres diesjährigen Teams, sowohl was das fachliche Interesse als auch was die Persönlichkeit angeht, sehr verschieden. Vielleicht war gerade das der Grund dafür, dass die Zusammenarbeit so außerordentlich gut funktionierte und wir insbesondere in der mündlichen Phase sehr viel Spaß miteinander hatten.

Ablauf des European Law Moot Court

Der Wettbewerb ist in zwei Phasen unterteilt. Nach der Veröffentlichung des fiktiven Falles im Herbst verfassen die Teams zunächst Schriftsätze sowohl aus der Perspektive des Klägers als auch des Beklagten. Die 48 Teams, deren Schriftsätze am besten benotet wurden, werden zu einem der vier Regionalfinale eingeladen, womit die mündliche Phase beginnt. Bei den Regionalfinalen dürfen pro Runde zwei Teammitglieder als „Anwälte“ auftreten und Plädoyers für Kläger und Beklagten halten. Zusätzlich gibt es in jedem Team eine Einzelrolle: Dieses Teammitglied plädiert entweder aus Sicht des Generalanwaltes oder des Kommissionsvertreters. „Richter“ im Regionalfinale sind sowohl Professoren als auch Praktiker, die in dem Rechtsgebiet des Falles spezialisiert sind. Da Kläger und Beklagter zusammen gewertet werden, hat jedes Team zwei Chancen, das Regionalfinale zu gewinnen: In der Teamwertung oder mit der Einzelrolle. Die Gewinner werden zum Finale am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg eingeladen, wo sie vor EuGH-Richtern im großen Gerichtssaal plädieren dürfen. Wer gewinnt, erhält die Möglichkeit, am Gerichtshof ein Praktikum zu absolvieren.

Der diesjährige Fall

Der diesjährige Fall hat die Mehrheit von uns insofern überrascht, als wir nicht mit Europäischem Wettbewerbsrecht gerechnet hatten, dies aber einen Schwerpunkt des Falles bildete. Da der Sachverhalt Lizenzvereinbarungen im Bereich der Weizenproduktion zum Gegenstand hatte, ging es auch um spezielle Fragen im Bereich des Sortenschutzrechts, deren Existenz wir nicht einmal geahnt hatten. Die weiteren Schwerpunkte waren etwas weniger überraschend, aber dennoch mindestens genauso interessant. Die Definition der nationalen Identität eines Mitgliedstaates hat ebenso viel Anlass zu Diskussionen gegeben wie die Frage bezüglich des Vorlagerechts bzw. der Vorlagepflicht eines Gerichts. Schließlich stellten sich Probleme bezüglich eines Vertrages mit einem Drittstaat mit Kandidatenstatus.

Schriftliche und mündliche Vorbereitungsphase

Allgemein lässt sich sicher sagen, dass die schriftliche Phase die etwas arbeitsintensivere und etwas weniger angenehme ist. Allerdings auch die, in der man inhaltlich und methodisch am meisten lernt. Unser Team hat sich die Fallfragen jeweils aus Kläger- und Beklagtensicht aufgeteilt, so dass wir zunächst „Spezialisten“ für die jeweiligen Probleme waren. Außerdem stand in der schriftlichen Phase bei uns eindeutig das Englische im Vordergrund. Einen Abend lang durften wir das Ergebnis unserer bis dahin erfolgten Recherchen und Gedanken Herrn Professor Dr. Dr. h.c. mult. Peter-Christian Müller-Graff darlegen, der uns mit seinen Fragen auf Schwachstellen der Argumentation aufmerksam gemacht und mit neuen Ideen bereichert hat.

Nachdem wir uns mit dem Schriftsatz für das Regionalfinale in Neuchâtel qualifiziert hatten, begann die Übung für die mündlichen Plädoyers. Da jeder den gesamten Fall vorträgt, hat sich an dieser Stelle jeder in jede Fallfrage inhaltlich vertieft. Plädiert haben wir zunächst vor unseren Betreuern Dominik Braun und Thomas Raff und den anderen Teammitgliedern, später bei Probeplädoyers in den Kanzleien King & Spalding in Frankfurt sowie Gleiss Lutz in Stuttgart. Unsere Betreuer bzw. die Anwälte der Kanzleien haben die Position der Richter eingenommen und uns mit ihren Fragen auf die Situation im Regionalfinale vorbereitet. So konnten alle Teammitglieder sowohl ihren Vortragsstil als auch das inhaltliche Eingehen auf die Rückfragen üben und im Ergebnis wesentlich verbessern.

Das Regionalfinale in Neuchâtel

Nach den langen Vorbereitungen waren wir froh, uns Ende Februar endlich auf den Weg nach Neuchâtel machen zu können. Mit zwei Autos, viel Proviant und nicht zuletzt vielen Ordnern und Karteikarten kamen wir im eisigen Neuchâtel an und wurden sehr freundlich vom Organisationsteam aus Spanien begrüßt. Das Hotel lag sehr schön direkt am See, so dass wir versuchen konnten, uns mit Spaziergängen die Nervosität zu nehmen.

In der ersten Runde haben Anna Köhler auf Beklagten- und Catharina Ziebritzki auf Klägerseite plädiert, womit wir uns für die Halbfinale qualifizieren konnten. In dieser Runde hat Hendrik Wendland die Rolle des Beklagten übernommen. Als Generalanwältin trat durchgängig Lisa Fritz auf. In dieser Besetzung konnten wir uns – was selten ist und uns deshalb besonders gefreut hat – sowohl mit dem Team als auch mit der Einzelrolle für das Finale des Regionalfinales qualifizieren. Als Team sind wir gegen die Universität Leuven angetreten, in der Einzelrolle gegen die Humboldt-Universität Berlin. Sowohl Hendrik Wendland als Beklagter als auch Lisa Fritz als Generalanwältin haben herausragend plädiert. Trotzdem haben wir leider in der Teamwertung die Endrunde nicht gewinnen können. Diese kleine Enttäuschung wurde aber dadurch mehr als wett gemacht, dass sich Lisa Fritz für das Finale in Luxemburg qualifizieren konnte.

Ausklingen lassen konnten wir das Regionalfinale beim Abschiedsessen, bei dem der Tradition des European Law Moot Courts gemäß die Angehörigen jeder Nationalität ein Lied ihres Landes vorgetragen haben.

Das Finale in Luxemburg:
Lisa Fritz in der Rolle der Generalanwältin und 25-jähriges Jubiläum des European Law Moot Courts

Nach weiteren sechs Wochen der Vorbereitung – arbeitsintensiv vor allem für Lisa Fritz – kamen wir in Luxemburg an.

Am ersten Tag hatten wir vormittags die Gelegenheit, bei einer wirklichen mündlichen Verhandlung im EuGH zuzuhören, was inhaltlich sehr interessant war: Es ging um die Auslegung der Qualifikationsrichtlinie im Hinblick auf Strafbarkeit von Homosexualität als Fluchtgrund. Im Vordergrund stand für uns aber, zu sehen, wie Anwälte vor Richtern am EuGH plädieren und die Räume zu bewundern. Anschließend hat ein Référendaire uns die Arbeitsweise am Gerichtshof erläutert.

Am nächsten Tag begannen die Plädoyers: Lisa Fritz durfte bzw. musste – je nach Perspektive – vor drei Richtern des EuGH plädieren und ihnen Rede und Antwort stehen, was ihr sehr souverän und inhaltlich überzeugend gelungen ist! Das gesamte Team ist sehr stolz darauf, dass sie eine der beiden besten Generalanwältinnen des gesamten Wettbewerbs war, was es uns schließlich erst ermöglicht hat, gemeinsam nach Luxemburg zu fahren.

Die Entscheidung der Richter fiel leider letztendlich trotzdem zugunsten ihrer Konkurrentin von der Université Paris II. Als Team hat die Universität Leiden, in der Rolle des Kommissionsvertreters die Universität Torino gewonnen.

Aufgrund des 25-jährigen Jubiläums waren dieses Jahr sehr viele Gäste und Alumni anwesend. Der gesamte Aufenthalt in Luxemburg stand ganz im Zeichen dieses Jubiläums. Daher fielen auch Abschlussdinner und Dankesreden dieses Jahr ganz besonders feierlich aus.

Das gesamte Team freut sich außerordentlich, die Möglichkeit gehabt zu haben, an diesem Wettbewerb und dem Jubiläum in Luxemburg teilzunehmen. Es war ein wahrlich unvergessliches Erlebnis.

 

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