Von Heidelberg über Pjöngjang nach New York - Bericht über die Vorbereitung der Heidelberger Delegation für NMUN 2014

 

Ein Beitrag von Christian Steck

 

Pünktlich zum Start des vergangenen Wintersemesters begann auch die Vorbereitung der Heidelberger Delegation für die UN-Simulation „National Model United Nations 2014“ (NMUN), welche jährlich Mitte April in New York stattfindet. Nach den Erfolgen der Vorjahre entsandte die Juristische Fakultät bereits zum vierten Mal ein Team zum mit über 5000 Teilnehmern weltweit größten MUN-Planspiel.

Zunächst musste sich die 16-köpfige Delegation mit der UN selbst sowie insbesondere den strikten NMUN-Regeln vertraut machen. Wie hat ein Resolutionsentwurf auszusehen? Wie stark darf man andere Länder angreifen? Und wie lang darf eine Rede maximal dauern? All diese Fragen wurden in den ersten Wochen der Vorbereitungen ausführlich besprochen.
Nachdem die theoretische Grundlage somit gelegt war, galt es das erworbene Wissen in die Praxis umzusetzen. Dies geschah mittels kleinerer NMUN-Sessions im Rahmen der wöchentlichen Vorbereitungsstunden, sodass die Delegates rasch ein Gefühl dafür bekamen, was es bedeutet, Positionen eines Landes überzeugend zu vertreten, die der eigenen Auffassung geradezu diametral widersprechen. Dabei wurde ebenfalls erläutert, wie man teils harsche Kritik in diplomatisch-sachlichem Ton ausdrückt. Zudem mussten die Delegierten lernen, wie man produktiv als sogenannte „working group“ zusammenarbeitet, da Resolutionen in New York stets von rund 10- bis 30-köpfigen Gruppen verfasst werden müssen.

Ein anderes Element von UN-Simulationen besteht im Halten von Reden. Da diese bei NMUN oftmals nur weniger als anderthalb Minuten dauern dürfen, liegt die besondere Herausforderung darin, in möglichst kurzer Zeit durch pointierten Inhalt und rhetorische Fertigkeiten zu überzeugen. Deshalb bestand ein weiterer Baustein der Vorbereitung auf NMUN 2014 im „speech training“. Anhand eines ganztägigen Seminars wurde das Team in der Kunst des freien Redens geschult. Eine Übung bestand beispielsweise darin, dass man ein an sich eintöniges Cookie-Rezept möglichst so vortragen musste, als halte man ein leidenschaftliches Plädoyer vor einer amerikanischen Jury. Eine weitere Übung beinhaltete eine Spontan-Rede über ein zufälliges Wort wie etwa „apple“, „Bavaria“ oder „freedom“, wobei Sprechpausen ausdrücklich verboten waren.

Einige Wochen vor Ende des Jahres 2013 stand auch die Nationen-Verteilung für NMUN 2014 fest und Heidelberg bekam seinen Erstwunsch: Die „Demokratische Volksrepublik Korea“, besser bekannt als wohl isoliertes Land der Erde: Nordkorea. Die Wahl war deshalb auf das Land gefallen, weil das Vertreten eines solchen Landes eine besondere Herausforderung darstellt, da man sich als Nordkorea bei NMUN in einem enormen Spannungsfeld befindet: Auf der einen Seite darf man die echten Positionen des Landes nicht zu sehr verlassen, da dies negativ bewertet würde. Auf der anderen Seite muss aber Kompromissbereitschaft gezeigt werden, da man ansonsten kaum Verbündete fände. Deshalb musste sich das gesamte Team, welches sich mittlerweile bereits auf die jeweiligen UN-Komitees aufgeteilt hatte, fortan intensiv mit den Ideologien und Argumenten Pjöngjangs auseinandersetzen, um bei NMUN diesen Spagat bestmöglich zu meistern.

Anfang 2014 mussten schließlich die sogenannten „position papers“ verfasst werden. In diesen stets zweiseitigen Dokumenten legt ein Land seine Positionen zu den drei Themen des jeweiligen Komitees dar. Diese Papers fließen bereits in die Bewertung der Delegation mit ein und sollen Anderen gleichzeitig auch kurz und prägnant aufzeigen, wofür der potenzielle Kooperationspartner steht.

Vor dem Ende der Vorbereitungen besuchte die Heidelberger Delegation dann noch zwei MUN-Simulationen in Deutschland. Die erste davon war „Hohenheim Castle MUN“, fand nahe Stuttgart statt und brachte NMUN-Teams aus ganz Baden-Württemberg zusammen. Nachdem bereits das Heidelberger Team des Vorjahres die Mehrzahl der bei dieser Simulation vergebenen Preise erhalten hatte, übertraf sich die diesjährige Delegation selbst: Alle anderen Teilnehmer hatten das Nachsehen, da Heidelberg in diesem Jahr sogar sämtliche Preise abräumte. Nachdem auch die zweite Vorbereitungssimulation in Tübingen von ähnlichem Erfolg gekrönt war, kehrte beim Heidelberger Team die Gewissheit ein, dass sich die zurückliegenden Monate der zeitintensiven Vorbereitung gelohnt haben und man gut vorbereitet in den „Big Apple“ reisen wird.

 

 

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