NMUN 2013 in New York - "Standing out in New York City"

Bericht der Heidelberger Delegation über die UN-Simulation NMUN 2013

 

Seit den 1950-er findet in New York das Projekt „National Model United Nations“ statt. Jährlich reisen rund 5000 Studenten aus über 50 Ländern zur weltgrößten Simulation der Vereinten Nationen. Dass die meisten von ihnen mehrere Tausende Kilometer zurücklegen, hat einen Grund: In die Rolle von Diplomaten schlüpft man am Originalschauplatz – dem Hauptquartier der Vereinten Nationen am Ostufer Manhattans. Für uns als Heidelberger Team war es die insgesamt dritte Teilnahme an dem Projekt.

Die Vorbereitung auf NMUN 2013 begann schon weit vor unserer Reise zu dem „Big Apple“. Zwar hat jeder eine ungefähre Vorstellung davon, was einen bei NMUN erwartet, doch wer noch nicht bei der New Yorker Konferenz war, der weiß von genauem Ablauf nicht allzu viel. Nachdem das Team Mitte Oktober 2012 feststand, galt es das 16-köpfige Team in den bevorstehenden Monaten möglichst umfassend auf die Simulation vorzubereiten. Diese Aufgabe kam in erster Linie denjenigen zu, die bereits an NMUN 2012 teilgenommen hatten. Neben dem Leitungsteam bestehend aus Theresa Giataganas, Teresa Gerhold (beides sog. „Faculty Advisor“) und Lisa Feth (Head Delegate) war auch ich, Christian Steck, als Head Delegate innerhalb der Delegation für diese Vorbereitung zuständig.

Zunächst brachten wir der Delegation den groben Ablauf sowie die sog. „Rules of Procedure“ näher. So lassen einem die MUN-Offiziellen zwar in den informellen Teilen der Sessions viele Freiheiten, doch umso penibler wird darauf geachtet, dass in den „formal sessions“ – also in der Zeit, in welcher die verschiedenen Länder ihre Positionen dem Plenum vorstellen dürfen – sämtliche Formalien eingehalten werden. Dazu gehören etwa die richtige Ansprache andere Delegationen oder die Zeitpunkte, zu denen Zwischenfragen gestellt werden dürfen.

Als wir dann bereits kurze Zeit später unser Land zugeteilt bekommen hatten, wollten wir natürlich alle mehr über die Republik Ecuador erfahren, denn wir wussten, dass es eines soliden Grundwissens über das eigene Land bedurfte, um später dessen Positionen überzeugend zu vertreten. Deshalb brachten wir uns anhand von Präsentationen gegenseitig die verschiedenen Aspekte des südamerikanischen Landes näher.

Der dritte Bestandteil unserer Vorbereitung umfasste dann das Rhetoriktraining. Darauf legten wir besonderen Wert, weil der rhetorische Part von vielen NMUN-Teilnehmern oftmals unterschätzt wird. Einige Delegationen sind nämlich der Auffassung, dass es sich bei den inhaltlichen Reden um nicht mehr als eine lästige Unterbrechung der eigentlichen Arbeit in handelt. Wir aber wussten von Anfang an um das Überzeugungspotenzial solcher Reden und wollten dies zu unseren Gunsten nutzen. Während wir uns anfänglich noch eher allgemeineren Dingen wie Betonung und Körpersprache zuwandten, waren später die Aufgaben speziell auf New York zugeschnitten. So wollten wir erreichen, dass die Teammitglieder die Angst verlieren ohne bzw. mit nur knappen Notizen zu sprechen. Dafür bekam jeder nur ein einziges Wort eingeworfen zu welchem die- oder derjenige dann aus dem Stehgreif für mindestens zwei Minuten sprechen musste. Zum Schluss galt es dann bei einer Überzeugungsrede zur Frage, ob Ecuador Julian Assange ausliefern sollte, alle erlernten Rhetorik- und Argumentationsfähigkeiten in die Tat umzusetzen.

Ab Dezember 2012 widmeten wir uns dann den sogenannten „Position Papers“. In diesen zweiseitigen Positionspapieren musste jede Delegation zu den für ihre jeweiligen Komitees vorgeschlagenen Themen Stellung beziehen und im besten Fall schon konkrete Forderungen aufstellen. Dieser letzte Teil stellte sich zugleich als der zeitintensivste heraus, da wir allesamt über mehrere Wochen hinweg an unseren position papers feilten. Schließlich wollten wir unseren hohen Ansprüchen gerecht werden.

Angekommen in New York stand in den ersten Tagen zunächst unser Vorprogramm an. Neben Besuchen der deutschen und der ecuadorianischen Botschaft lag dabei ein besonderer Schwerpunkt auch auf dem Juristischen: So besuchten wir zum einen die „Fordham Law School“, wo wir von einer Professorin über die Möglichkeit eines LL.M. in den USA informiert wurden. Darüber hinaus wurden wir auch im New Yorker Büro der Großkanzlei „Baker § McKenzie“ empfangen, wo wir uns mit vier Partnern der Law Firm über die Unterschiede zwischen dem kontinentaleuropäischen und dem anglo-amerikanischen Recht unterhielten.

Die feierliche Eröffnungszeremonie im Ballsaal eines großen New Yorker Tagungshotels markierte dann den eigentlichen Beginn von NMUN 2013. Ab diesem Zeitpunkt teilten wir uns mit unseren Delegationspartnern auf unsere jeweiligen Komitees auf. Diese NMUN-Komitees entsprechen den realen UN-Komitees und spiegeln damit die ganze Bandbreite der internationalen Politik wieder. So befasst man sich beispielsweise in der Generalversammlung mit wirtschaftlichen Fragen, im „Human Rights Council“ naturgemäß mit Menschenrechten und in der Internationalen Atomenergiebehörde spielen vor allem sicherheitspolitische Fragen eine Rolle.

Wie bereits angesprochen, ist die Arbeit in den Komitees zweigeteilt: Zum einen gibt es die sogenannten „Formal Sessions“. In dieser Zeit verharren sämtliche Delegierte auf ihren Plätzen, während eine Rednerliste abgearbeitet wird. Wer vom sogenannten „Chair“ – derjenige, der dem Komitee vorsitzt – den Satz „Honourable Delegate, you have the floor for one minute“ hört, weiß, dass er nun eine Minute Zeit hat, um mit einer möglichst guten Rede die anderen Delegationen für seine eigenen Positionen zu gewinnen.

Das Gegenstück zu diesem Teil der Arbeit in den Komitees bilden die sogenannten „Informal Sessions“. Hierbei verlässt man nun seinen Platz und findet in Arbeitsgruppen zusammen. Diese Arbeitsgruppen bestehen zumeist aus 10-15 Delegierten und erarbeiten einen Resolutionsentwurf, von welchem sie hoffen, dass er auf die Zustimmung des gesamten Komitees stößt und somit vom Plenum zur Resolution gemacht wird. Gerade innerhalb dieser Arbeitsgruppen bemerkt man, was Diplomatie in der Realität bedeutet: Die Findung von Kompromissen.

Manch einer mag sich sicherlich schon darüber gewundert haben, dass Resolutionen nicht selten geradezu „wachsweich“ erscheinen. Wer selbst bei den scheinbar einhelligsten Resolutionen, wie etwa solche gegen Pjöngjang oder Teheran, nach glasklaren Forderungen sucht, der wird nur selten fündig. Ein Grund hierfür liegt sicherlich in der zurückhaltenden Diplomatensprache. Ein weiterer aber darin, dass sämtliche Forderungen eines Landes zunächst in der „Mühle der Kompromisse“ zermahlen werden. Eine scharfe Forderung gegen den Iran mag zwar beispielsweise den USA als Urheber und ihren Verbündeten gut gefallen. Doch in Anbetracht der großen Zahl neutraler und verbündeter Staaten wird eine solche Formulierung kaum mehrheitsfähig sein. Je offener und abgemilderter sie jedoch zu Papier gebracht wird, desto mehr Staaten können damit leben und desto mehrheitsfähiger wird sie.

Während dieses gesamten Prozesses der Konsensfindung werden die Delegierten von Punktrichtern beobachtet und bewertet. Anhand verschiedener Kriterien erstellen sich diese ein Bild einer gesamten Delegation, wonach diese dann letztlich bewertet wird.

Nach knapp vier Tagen neigte sich die Zeit in den Komitees ihrem Ende zu und wir traten allesamt in die „Voting Procedure“, den Abstimmungsprozess über die einzelnen Resolutionsentwürfe, ein. Als feststand, dass die meisten der Entwürfe, an denen wir Heidelberger mitgeschrieben hatte, zu Resolutionen wurden, hatten wir bereits einen ersten Grund zur Freude. Der zweite folgte sogleich darauf, als zum Abschluss in den Komitees bekannt gegeben wurde, dass wir gleich dreifach für besonders gute Positionspapiere ausgezeichnet wurden.

Den Höhepunkt der Simulation bildete dann die feierliche Abschlusszeremonie in der UN-Vollversammlungshalle, wo zugleich auch die „Delegation Awards“ vergeben wurden. Diese Gesamtawards werden in drei Kategorien vergeben. „Honourable Mentioned“ gilt als dritter Platz, das Zweitbeste ist der „Distinguished-Award“ und das bestmögliche Prädikat, das eine Delegation erreichen kann, ist die Auszeichnung als „Outstanding“. Da Heidelberg bereits in den beiden vorherigen Jahren jeweils als „Distinguished Delegation“ beste deutsche Uni wurde, blickten wir der Preisverleihung mit besonderer Nervosität entgegen. Als die Generalsekretärin dann verkündete, dass wir als „Outstanding Delegation“ ausgezeichnet wurden, kannte unsere Freude kein Halten mehr: Uns war es damit nicht nur erneut gelungen, uns vor sämtlichen anderen deutschen Hochschulen zu platzieren, sondern wir hatten auch zahlreiche amerikanische Universitäten hinter uns gelassen, die schon seit über 50 Jahren zu dem NMUN reisen.

Jeder einzelne von uns hatte enorm viel Arbeit in NMUN 2013 gesteckt – nicht selten mussten wir neben der Belastung durch das Studium bis spät in die Nacht an Positionspapieren und ähnlichem feilen. Doch im Rückblick hat sich all dies voll und ganz gelohnt.

Ich persönlich bin stolz auf die herausragenden Leistungen des gesamten Teams und eines jeden Einzelnen und bin der festen Überzeugung, dass wir auch 2013 die Juristische Fakultät der Ruperto Carola würdig in New York vertreten haben!

 

Lust auf NMUN bekommen?! Weitere Informationen zur Heidelberger Delegation sowie bald auch zum Bewerbungsprozess für NMUN 2014 finden sich unter: http://nmun-heidelberg.de.

- Christian Steck

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