Berufseinstieg als Anwalt in einer mittelgroßen Wirtschaftskanzlei – was hat man sich darunter vorzustellen? Interview mit Herrn Dr. Roland Kläger, Rechtsanwalt bei Haver & Mailänder in Stuttgart

 

Die Fragen stellten Garry Konrath, Yoo-Jin Kim und Tobias Verkamp

 

1. Herr Dr. Kläger, was können Sie uns allgemein über das Profil Ihrer Kanzlei erzählen?

Haver & Mailänder ist eine der führenden mittelgroßen Wirtschaftskanzleien in Deutschland. Die Kanzlei hat ein über Jahrzehnte gewachsenes Profil im nationalen und internationalen Wirtschaftsrecht, sie zeichnet sich durch ihre profilierten Anwaltspersönlichkeiten aus und bietet wirtschaftsrechtliche Beratung auf höchstem Niveau. Als mittelgroße Wirtschaftskanzlei ist Haver & Mailänder lokal in Stuttgart verwurzelt und pflegt gleichzeitig eine bundesweite und stark internationale Ausrichtung. Die Liste der Mandanten reicht daher von Familienunternehmen unterschiedlicher Größe bis zu nationalen und multinationalen Großkonzernen, die grundsätzlich in allen Fragen des Wirtschaftsrechts beraten werden. Trotz dieser vielfältigen Mandate wandelt sich Haver & Mailänder immer mehr zu einer spezialisierten Anwaltsboutique. Die Schwerpunkte liegen dabei vor allem in den Bereichen Gesellschaftsrecht und M&A, Kartell- und Wettbewerbsrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht sowie der Vertretung von Mandanten in Prozessen und Schiedsverfahren.

2. Warum haben haben Sie sich für Haver & Mailänder entschieden?

Im Studium und Referendariat rackert man sich ab, um später die Qual der Wahl zu haben. Wenn dann aber irgendwann der Zeitpunkt für den Berufseinstieg kommt, ist die Entscheidung oft nicht so leicht wie gedacht. Ich habe während der Ausbildung viel ausprobiert und mir Justiz, Bundesministerien, Unternehmen und internationale Großkanzleien angeschaut. Bei all diesen Stationen hat mir die Arbeit viel Freude bereitet. Im Ergebnis waren mir aber ganz bestimmte Aspekte wichtig: Ich wollte auf hohem Niveau im internationalen Schiedsverfahrensrecht arbeiten mit der Perspektive, in kurzer Zeit Verantwortung übernehmen zu können. Gleichzeitig wollte ich ein angenehmes Arbeitsumfeld und ausreichend Zeit für meine Aktivitäten außerhalb des Büros. Plötzlich war der Kreis der in Frage kommenden Stellen nicht mehr so groß. Bei Haver & Mailänder fand ich vor allem den Zuschnitt der Kanzlei, die hervorragende schiedsrechtliche Praxis und die Perspektiven zur persönlichen Entwicklung in der Kanzlei spannend. Außerdem hat mich der persönliche Eindruck von den zukünftigen Kollegen überzeugt.

3. Laut dem neuen „azur Insiderranking 2014“ macht kein Arbeitgeber junge Juristen glücklicher als Haver & Mailänder. Woran liegt das?

Ein Grund ist sicher, dass wir eine tolle Gruppe von jungen Kolleginnen und Kollegen haben, die sich untereinander alle sehr gut verstehen und sich auch außerhalb des Büros treffen. Gelegenheiten zum Austausch untereinander gibt es viele, sei es am Tischkicker, beim After-Work-Drink oder auf dem Tennis- oder Fußballplatz. Natürlich unterstützen wir uns aber auch bei fachlichen Fragen oder helfen einander aus, wenn es „brennt“.
Wahrscheinlich liegt die gute Bewertung im Ranking außerdem daran, dass sich jeder von uns in der Kanzlei gut aufgehoben und gefördert fühlt. Dabei spielt auch die Betreuung durch den jeweiligen Partner eine Rolle, und ob man das Gefühl hat, dass man sich nach seinen eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten entwickeln kann. Mir gefällt bei Haver & Mailänder besonders, dass ich inhaltlich viele Freiheiten habe und ich mich etwa auch noch akademischen Themen widmen kann, die mich seit meiner Promotion begleiten.

4. Welche Vor- und eventuell auch Nachteile bietet die Tätigkeit in einer Wirtschaftskanzlei mittlerer Größe wie Haver & Mailänder im Vergleich zu den „üblichen“ Großkanzleien?

Bei Großkanzleien ist häufig alles stark durchstrukturiert. Associates haben strenge Vorgaben für billable hours, einen durchgeplanten Karrieretrack („up or out“) und eine starre fachliche und persönliche Zuordnung innerhalb der Hierarchie eines Teams. Dies führt oft zu einer großen Fluktuation bei den Associates.
Das läuft bei Haver & Mailänder anders. Junge Anwälte haben hier größere Freiheiten und können ihren Karriereweg von Anfang an mitgestalten. Neue Associates können bei uns nicht in einem großen Team versteckt werden, sondern übernehmen mit der Unterstützung der zuständigen Partner früh Verantwortung für die ihnen übertragenen Aufgaben und Mandate. Die Kanzlei möchte junge Associates langfristig an die Kanzlei binden und bietet ihnen die realistische Chance auf den Einstieg in die Partnerschaft. Das bedeutet aber auch, dass man selbst Initiative zeigen muss, um auf dem eigenen Weg voranzukommen.

5. Wie läuft das Bewerbungsverfahren bei Haver & Mailänder ab?

Ich hatte meinen ersten Kontakt mit Haver & Mailänder auf der JURAcon in Frankfurt. Danach habe ich meine Bewerbung eingereicht, und es folgten zwei Bewerbungsgespräche. Das erste fand mit den Recruiting-Partnern und das zweite mit noch weiteren Partnern statt. Natürlich konnte ich auch die später für mich zuständigen Partner und ein paar der jüngeren Anwälte kennen lernen. Schließlich will man ja wissen, mit welchen Leuten man hauptsächlich zu tun hat.
Zumindest für Berufseinsteiger läuft dies üblicherweise so ab. Für Praktikanten und Referendare ist das Verfahren weniger aufwendig. Hier reicht oft eine normale Bewerbung und ein kurzes Gespräch.

6. Wie zeichnet sich Ihr klassischer Berufseinsteiger aus, z.B. durch Examensnote, Berufserfahrung, bereits bei Ihnen gesammelte Praktikums-/Referendariatserfahrung, Promotions- und/oder Mastertitel, Auslandserfahrung, Persönlichkeit etc.?

Haver & Mailänder stellt regelmäßig Berufseinsteiger oder Anwälte mit Berufserfahrung ein, aber ein festes Raster gibt es dafür nicht. Meistens merkt man in einem Gespräch sehr schnell, ob die persönliche Chemie und die fachlichen Qualifikationen stimmen. Dabei spielen Examensnoten bei Juristen natürlich immer eine Rolle, aber von den guten Noten kann man noch nicht auf eine gute Anwaltspersönlichkeit schließen. Die Anwälte bei Haver & Mailänder zeichnen sich regelmäßig dadurch aus, dass sie ihre fachlichen Kenntnisse durch eine Promotion oder einen anderen Abschluss vertieft und sich etwa durch Auslandsaufenthalte oder besondere Praktika auch persönlich weiterentwickelt haben. Außerdem wird bei uns Engagement außerhalb des Studiums sehr geschätzt. Viele Kolleginnen und Kollegen haben auch schon während eines Praktikums oder einer Referendarstation Kontakte zu Haver & Mailänder geknüpft.

7.Wie ist die Laufbahn vom Associate zum Partner bei Haver & Mailänder geregelt?

Wichtig ist zunächst, dass bei Haver & Mailänder jeder Associate mit dem Ziel eingestellt wird, dass er sich in wenigen Jahren zu einem Partner entwickelt. Einen Verdrängungswettbewerb zwischen den Associates oder das Prinzip „up or out“ gibt es daher bei Haver & Mailänder nicht. Wie die Laufbahn zum Partner dann tatsächlich aussieht, wird individuell besprochen und vereinbart. Die Entwicklung jedes Einzelnen wird dabei nicht vornehmlich an starren Umsatzzahlen festgemacht, sondern auch an weichen Kriterien, die von der jeweiligen Persönlichkeit abhängen. Zur Standortbestimmung finden jährlich Feedback-Gespräche mit dem Management und den zuständigen Partnern statt.

8. Ihre Kanzlei schreibt auf Ihrer Internetpräsenz auch Praktikantenstellen aus: Wie kann man sich ein Praktikum bei Haver & Mailänder als junger Jurist, insbesondere als Anfänger und Fortgeschrittener, vorstellen? Haben Sie zur Auswahl potentieller Praktikanten ein spezielles Auswahlverfahren und welche Kriterien spielen neben der fachlichen Eignung weiterhin eine Rolle? In welchem Semester und für welchen Zeitraum finden Sie Studentenpraktika sinnvoll? Wie viele Monate im Voraus sollte eine Bewerbung eingehen?

Mit einem Praktikum bei Haver & Mailänder hat man die Chance, die Tätigkeit eines Wirtschaftsanwalts hautnah mitzuerleben. Das heißt, dass die Praktikanten an echten Fällen mitarbeiten und dabei nicht nur Hintergrundrecherchen durchführen, sondern vor allem auch Anwälte bei Mandantengesprächen und Gerichtsterminen begleiten. Organisatorisch sind unsere Praktikanten einem Partner zugeordnet, der als Ansprechpartner für alle Fragen dient und in dessen Referat sie hauptsächlich tätig sind. Bei Interesse kann man aber genauso in andere Referate reinschnuppern, so dass man die Anwendung verschiedener Rechtsgebiete in der Praxis kennenlernen kann.
Wer ein Praktikum bei Haver & Mailänder machen möchte, sollte natürlich Interesse an wirtschaftsrechtlichen Fragestellungen haben. Dabei ist es im eigenen Interesse und zum besseren Verständnis der Fälle sinnvoll, dass man vielleicht schon erste Vorlesungen im Gesellschaftsrecht, Kartellrecht, Schiedsverfahrensrecht, Arbeitsrecht, Internationales Privatrecht oder ähnliches gehört hat. Ein spezielles Auswahlverfahren gibt es nicht, aber eine frühzeitige Bewerbung mehrere Monate im Voraus ist hilfreich, da die freien Plätze in den Semesterferien schnell belegt sind. Informieren Sie sich auf der Homepage oder fragen Sie per E-Mail oder telefonisch an, für welche Zeiträume noch Plätze frei sind!

9. Ihre Kanzlei ist sehr international ausgerichtet: Würden Sie Studenten raten, bereits während des Studiums Auslandserfahrung zu sammeln? Bestehen auch Möglichkeiten, während einer Tätigkeit bei Haver & Mailänder Arbeitserfahrung im Ausland zu sammeln?

Ich persönlich habe meine Stationen im Ausland und den Blick über den Tellerrand sehr genossen. Bei jedem Auslandsaufenthalt habe ich tolle Erfahrungen gesammelt, von denen ich auch Jahre später noch sehr profitiere. Dies gilt insbesondere im Umgang mit ausländischen Mandanten, die man nur dann kompetent beraten kann, wenn man ihre Rechtskultur versteht und man sich sprachlich mit ihnen verständigen kann. Gerade im Bereich des internationalen Schiedsverfahrensrechts, aber auch zunehmend in anderen Gebieten, ist ein verhandlungssicheres Englisch fast ein Muss.
Haver & Mailänder unterhält ein Büro in Brüssel. In Ausnahmefällen und für besonders begeisterte Europarechtler kann deshalb ein Praktikumsplatz auch dort angeboten werden. Außerdem ist Haver & Mailänder Mitglied im „Law Firm Network“, über das wir ehemalige Praktikanten von uns schon an andere ausländische Kanzleien vermittelt haben.

10. Was hat Sie nach ihrem Einstieg bei Haver & Mailänder positiv überrascht?

Mein Berufseinstieg bei Haver & Mailänder begann mit zwei sehr schönen Überraschungen: Kurz nach meiner Unterschrift unter den Vertrag wurde ich zum Haver & Mailänder Sommerfest auf der Kanzleiterrasse mit tollem Blick über Stuttgart eingeladen. Das war eine gute Gelegenheit, um noch vor meinem ersten Arbeitstag alle Kolleginnen und Kollegen in ungezwungener Atmosphäre kennenzulernen.
Die zweite Überraschung folgte an meinem ersten Arbeitstag. Mein Chef bat mich, schon um sieben Uhr morgens im Büro zu sein. Wir fuhren dann zum Flughafen und flogen nach Hannover, um dort in einem der größten Schiedsverfahren in Deutschland einen wichtigen Zeugen zu befragen. Da wusste ich, dass ich glücklicherweise nicht in einem Back Office landen würde.

11. Vielen Berufseinsteigern ist heute eine gute Work-Life-Balance wichtiger als ein hohes Einstiegsgehalt. Wie gut kann man bei Haver & Mailänder Arbeits- und Privatleben miteinander in Einklang bringen? Wie finden Sie einen Ausgleich zum Job?

Die Bedenken gegen immer längere Arbeitszeiten kann ich gut verstehen. Ich habe mich für Haver & Mailänder entschieden, weil ich auf mein Privatleben nicht verzichten wollte. Gleichzeitig wollte ich aber auch, dass meine Leistung durch ein attraktives Gehalt wertgeschätzt wird. Trotz dem engagierten Einsatz, den jeder Mandant von seinem Anwalt erwartet, wird bei Haver & Mailänder auf eine angemessene Work-Life-Balance geachtet. Es ist deshalb kein Zufall, dass fast alle meiner Kolleginnen und Kollegen regelmäßig Sport treiben oder anderen Hobbies und Ehrenämtern nachgehen. Auch ich habe meine Freunde und Hobbies nicht beim Berufsstart aufgegeben und gehe z.B. regelmäßig abends Klettern oder steige auf das Mountainbike. Haver & Mailänder versteht sich ohnehin als sportliche Kanzlei, was sich nicht nur an der Bearbeitung interessanter Mandate im Sportrecht zeigt. Die Kanzlei veranstaltet beispielsweise auch einmal im Jahr ein Skiwochenende.

12.Besonders für angehende Juristinnen interessant: Inwiefern unterstützt Haver & Mailänder werdende Mütter (und Väter) hinsichtlich Familien- und Karriereplanung? Können Sie vielleicht sogar erzählen, welche Erfahrungen Sie bereits mit Anwältinnen und Anwälten mit Familie in Ihrer Kanzlei gemacht haben (flexible Arbeitszeiten, Teilzeit, Elternzeit, Wiedereinstieg, Betreuungsmöglichkeiten)?

Bei Haver & Mailänder gibt es keine vorgefertigten Arbeitszeitmodelle und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt wahrscheinlich für jeden Arbeitgeber eine große Herausforderung dar. Dies schließt Familienfreundlichkeit aber nicht aus. Die große Mehrzahl der Anwälte bei Haver & Mailänder hat Familie und Kinder. Außerdem werden in der Kanzlei Teilzeitmodelle sowohl auf Partner- als auch auf Associateebene in verschiedenen Formen gelebt. Die Teilzeitmodelle sind nicht immer nur durch Kinder bedingt, sondern beispielsweise auch durch eine laufende Promotion oder ein Ehrenamt.

13. Vielleicht haben Sie bereits gesehen, dass auf unserem Blog viele Erfahrungsberichte zu internationalen Moot Courts, MUNs und Summer Schools zu finden sind. Wie schätzen Sie den Mehrwert von diesen und ähnlichen Wettbewerbsteilnahmen für die spätere Arbeit als internationaler Wirtschaftsanwalt ein?

Die Teilnahme an solchen Wettbewerben wird von Haver & Mailänder gerne gesehen und gefördert. Andererseits ist die Teilnahme keine zwingende Einstellungsvoraussetzung, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Diese Wettbewerbe wecken bei Studenten häufig das Interesse an bestimmten Rechtsgebieten, schulen Sprachkenntnisse und Soft Skills. Außerdem zeigen Studenten dadurch besonderes Engagement und können schon früh auf sich aufmerksam machen. Gerade im Bereich des internationalen Wirtschaftsrechts ist die Fähigkeit, Verhandlungen zu führen und Argumente in einer anderen Sprache zu präsentieren, besonders gefragt. Verhandlungssicheres Englisch ist dabei wichtig, aber auch andere Sprachkenntnisse sind nützlich. Die Anwälte von Haver & Mailänder treten sehr häufig vor staatlichen Gerichten und Schiedsgerichten auf oder verhandeln Verträge. Praktika, Moot Courts oder andere Wettbewerbe sind eine gute Vorbereitung, um sich erste Fähigkeiten dieser Art für den späteren Beruf anzueignen.

Wir bedanken uns für das Interview sehr herzlich!

 

Zur Person:

Dr. Roland Kläger ist spezialisiert auf nationale und internationale Schiedsverfahren sowie auf Fragen des internationalen Investitionsschutzrechts. Weiterhin vertritt er regelmäßig Banken vor staatlichen Gerichten und betreut international tätige Unternehmen bei M&A Transaktionen und Post-M&A Streitigkeiten. Er studierte Rechtswissenschaft in Freiburg und promovierte in Tübingen.

Zur Webpräsenz von Haver & Mailänder gelangst Du hier: www.haver-mailaender.de

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