Danksagung anlässlich der Verleihung des ars legendi-Preises 2013 (Fakultätenpreis Rechtswissenschaft) am 14. Januar 2014 in Köln

 

von Thomas Lobinger

 

Meine Damen und Herren,

wenn man einen solchen Preis erhalten hat, verspürt man zunächst das Bedürfnis, sich sehr herzlich zu bedanken: Dank den Stiftern und Organisatoren, die diese Preisverleihung überhaupt erst möglich gemacht haben. Dank den Juroren, die die Last der Auswahl auf sich genommen und uns schließlich den heutigen Glücksmoment beschert haben. Dank Stephan Lorenz, dem Laudator, der mir geradezu ins Herz geschaut hat. Dank aber auch denen, die uns überhaupt erst vorgeschlagen haben, in meinem Fall also der Heidelberger Fakultät und Fachschaft.

Der Dank gegenüber meiner Fakultät beschränkt sich hierauf allerdings nicht. Denn ohne die große Unterstützung, die unser Examensvorbereitungsprogramm durch sie erfährt, stünde ich heute sicherlich nicht hier. Der Entwurf von Konzepten ist das eine. Ihre Umsetzung und Finanzierung das andere. Eben dies aber nimmt die Fakultät seit 2006 in vorbildlicher Weise auf sich. Und das verdient, gerade weil es an einer so alten Fakultät wie Heidelberg nicht selbstverständlich ist, hohe Anerkennung. Einzuschließen in diesen Dank sind dabei auch die zahlreichen hoch engagierten Mitarbeiter und Dozenten in unserem HeidelPräp!-Team. Selbst vollständig durchfinanzierten Konzepten hauchen bekanntlich erst reale Menschen das Leben ein. Und dass dieses Leben inzwischen in einer auch über Heidelberg hinaus sichtbaren Blüte steht, ist deshalb vornehmlich ihnen zu verdanken.

Über diese Dankesworte hinaus würde ich allerdings gerne auch noch etwas anderes zum Ausdruck bringen. Und ich hoffe, Sie sehen es mir nach, wenn ich das jetzt einfach tue. Kurz erläutern möchte ich nämlich, warum es mir eine besondere Freude ist, für mein Engagement in der Lehre nicht irgendeinen, sondern gerade einen ars legendi-Preis erhalten zu haben.
Diese vom Stifterverband ausgelobten Preise sind bekanntlich Bestandteil einer umfassenderen Initiative, die darauf zielt, - ich zitiere: „eine Lehr- und Lernkultur zu etablieren, die grundsätzlich denselben Qualitätsansprüchen genügt und einer ähnlichen Entwicklungsdynamik verpflichtet ist wie die Forschung. Denn die Lehre ist neben der Forschung die Kernaufgabe der Hochschulen.“

Hinter den ars-legendi-Preisen steht damit aber, das wird auch an den Ausschreibungskriterien und in der Charta für gute Lehre immer wieder deutlich, nicht etwa die heute vielfach propagierte Idee einer stärkeren Trennung von Forschung und Lehre, sondern gerade umgekehrt ein klares Bekenntnis zur Einheit von Forschung und Lehre an den Universitäten. Diese Einheit von Forschung Lehre ist auch mir Herzensangelegenheit. Denn speziell in der Rechtswissenschaft erscheint sie mir nicht nur als Ausdruck einer generell sinnvollen, nutzbringenden und fortschrittsichernden Organisation universitärer Ausbildung. Vielmehr erscheint sie mir hier sogar als eine Notwendigkeit.

Warum?

Die ureigenste Aufgabe des Rechts ist bekanntlich die Befriedung der Gesellschaft. Das Recht ist eine Friedensordnung. Gerade in modernen und aufgeklärten Gesellschaften aber kann diese Befriedung auf Dauer nur gelingen, wenn das Recht in sich stimmig, plausibel und nachvollziehbar bleibt. Wo es um deren dogmatischen Zweig geht, ist bekanntlich aber auch gerade dies das Ziel rechtswissenschaftlicher Forschung: Der Stoff wird geordnet und systematisiert, um ihn nachvollziehbar zu machen. Er wird auf die dahinterstehenden Gedanken, Prinzipien und Wertungen hin untersucht, um ihn plausibel zu halten. Und er wird auf mögliche innere Brüche sowie auf Widersprüche im Gesamtsystem hin abgeklopft, um seine Stimmigkeit zu sichern.

Es ist nun kaum ein Zufall, dass diese Beschreibung rechtswissenschaftlicher Forschung ebenso gut als Beschreibung für die Vorbereitung guter rechtswissenschaftlicher Lehre verwendet werden könnte. Denn auch im Hörsaal und im Seminar geht es ja vor allem darum, den jungen Juristinnen und Juristen den Stoff nachvollziehbar und plausibel zu machen; sie könnten sich ihn sonst kaum aneignen. Und sie müssen ferner in die Lage versetzt werden, innere Brüche und Widersprüche zu erkennen, um zu lernen, wie auch sie sich später für die notwendige Stimmigkeit des Rechts verwenden können. Die besondere gesellschaftliche Funktion des Rechts führt folglich dazu, dass in der Jurisprudenz gute Lehre ohne gute Forschung gar nicht denkbar ist.

Umgekehrt gilt m.E. allerdings dasselbe: Gute Forschung erfordert in der Rechtswissenschaft stets auch ein gewisses Maß an Lehrtätigkeit. Denn im Hörsaal und im Seminar werden die in der Forschung erzielten Ergebnisse auf eine erste harte Probe gestellt. Fragt man, ob ein Stoff nachvollziehbar geordnet, plausibel dargestellt und hinreichend auf seine Stimmigkeit hin examiniert ist, gibt es wohl kaum eine strengere Prüfung als die eines interessierten, engagierten und kritischen Auditoriums. An der Universität gilt deshalb: Das Labor des Juristen ist das Kolleg.

Als weitere die Forschungsqualität sichernde Wirkung der Lehrtätigkeit universitärer Rechtsforscher kommt hinzu:

Schon aus Kapazitätsgründen müssen regelmäßig auch die Vertreter der sog. Nebenfächer in der Lehre Kernfachveranstaltungen anbieten. Durchaus heilsam wird so verhindert, dass der Kontakt zwischen Kern- und Nebenfächern gänzlich abreißt. Dies erhält folglich aber gerade auch für die Forschung die Chance einer wechselseitigen Befruchtung, die der Nachvollziehbarkeit, Plausibilität und Stimmigkeit des Rechts zu Gute kommen kann. Denn der andauernde Kontakt zu den Kernfächern hilft die Entwicklung unnötiger Sonderdogmatiken und damit eine Überkomplexität des Rechts zu verhindern, die dieses Recht nicht nur immer undurchsichtiger, sondern v.a. auch immer anfälliger für innere Brüche und Wertungswidersprüche macht.

Erfordert somit aber bereits der Gegenstand der Rechtswissenschaft für gute Lehre gute Forschung und für gute Forschung ein Gutteil Lehre, erscheint die Einheit von Forschung und Lehre in unserem Fach in der Tat nicht nur als ein Postulat der Nützlichkeit, sondern als ein sachliches Gebot. Wer diese Einheit aufs Spiel setzt, spielt sowohl mit der Qualität der Lehre als auch mit der Qualität der Forschung. Dass jüngere hochschulpolitische Richtungen durchaus zu solchen Spielereien neigen, ist hinreichend bekannt. Die Schaffung von Lehrprofessuren mit erhöhten Lehrdeputaten gerade für die jungen und hoffnungsvollsten Nachwuchswissenschaftler zeugen hiervon ebenso wie die vielfach aus Mitteln der Exzellenzinitiative finanzierten umfangreichen Freistellungen arrivierter Kollegen von ihren Lehrverpflichtungen. Den einen wird so der notwendige Raum für eine Forschung der Intensität und Qualität vorenthalten, wie sie gerade auch für gute Lehre unverzichtbar ist. Die anderen erhalten dagegen des Guten zu viel, wenn sie sich der Qualitätskontrolle des Hörsaals und des Seminars überhaupt nicht mehr aussetzen müssen und so nicht nur ihre Forschung der notwendigen Vorprüfung, sondern auch ihre Lehre der universitären Gemeinschaft entziehen. Insgesamt wird auf diese Weise schließlich der ganz fatale Eindruck vermittelt, als gehörten Forschung und Lehre eben doch nicht zwingend zusammen, weshalb man hierfür an den Universitäten auch verschiedene personelle Zuständigkeiten schaffen könnte.

Immerhin:

Dass sich der Geist der ars-legendi-Preise, wenn ich ihn denn richtig erfasst habe, gerade auch gegen solche Fehlentwicklungen richtet, stimmt mich hoffnungsvoll. Und es steigert deshalb auch meine ohnehin schon große Freude, einen solchen Preis hier heute verliehen bekommen zu haben.

Allen dafür Verantwortlichen deshalb nochmals ganz herzlichen Dank!

 

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